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>> Unterhaltung / Klassische Tiergedichte

Die Eule und der Esel

Joachim Heinrich Campe

Joachim Heinrich Campe
1746-1818

 
Sieh! Seht mir doch das grobe Tier!
Was schleppt und keicht! da lob ich mir
doch meine klügre Art zu leben!
Esel
Möcht keinen Pfifferling drum geben!
Eule
Möchtst nicht? Das macht, du dummes Vieh,
dein grobes Hirn empfand noch nie
des edeln Müßigggangs Behagen;
hast nichts gelernt als Säcke tragen,
und weißt nur nicht, wie süß es tut,
zu trinken kleiner Vögel Blut
und sich mit ihrem Fleisch zu laben;
hast kein Gehirn, nur Eselsgaben!
Esel
Weiß wohl; mag auch kein' andere haben;
scheu aber auch das Tageslicht
wie's hoch begabte Eulchen nicht;
seh jedem frei ins Angesicht;
werd nur belacht von Narren und von Knaben.
Des bin ich froh; und - schönen Dank
für eure Gaben

Joachim Heinrich Campe

Kurzbiografie

Geboren am 29.6.1746 in Deensen bei Holzminden; gestorben am 22.10.1818 in Braunschweig.

Campe war der Sohn eines Kaufmanns, der auf den angestammten Adelstitel verzichtet, eine bürgerliche Pfarrerstochter geheiratet und ein einfaches Leben auf dem Lande geführt hatte. Nach dem Besuch der Klosterschule in Holzminden studierte Campe in Helmstedt, anschließend in Halle evangelische Theologie und Philosophie. Danach ging er bis 1773 als Hofmeister ins Tegeler Schloß der Humboldts. Danach war er Feldprediger in Potsdam, gab aber 1775 den Posten auf und kehrte als Erzieher von Alexander und Wilhelm von Humboldt nach Tegel zurück. 1776 wurde er Prediger an der Heiliggeistkirche in Potsdam, trat dann aber im neuerrichteten Dessauer Philanthropinum die Stelle eines »Educationsrathes« an. Ein Jahr später wurde er Leiter der Anstalt, verließ aber kurz darauf Dessau, um in Hamburg eine eigene Erziehungsanstalt zu gründen. Nach längeren Reisen durch Deutschland und die Schweiz ging er 1786 als »Hochfürstlicher Schulrath« nach Braunschweig. Nach Schwierigkeiten mit den Behörden gab er die Reformversuche bald wieder auf und übernahm die Leitung der Braunschweiger Schulbuchhandlung. 1789 reiste er in Begleitung Wilhelm von Humboldts nach Paris; er begeisterte sich für die Sache der Französischen Revolution. Zusammen mit Washington, Klopstock, Schiller und Pestalozzi erhielt er den Ehrenbürgerbrief der französischen Republik, was ihm in Deutschland sehr verübelt wurde. Er konzentrierte sich auf die »Reinigung« des Deutschen von französischen Spracheinflüssen und riet in seinen Schriften vom französischen Sprachunterricht ab. 1807 wurde er Deputierter Braunschweigs in Kassel, der Hauptstadt des von Napoleon gegründeten Königreichs Westfalen.

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