
Hier wird dich Niemand quälen,
Lässt jeder dich in Ruh;
Ja, trägt wohl gar, dich streichelnd,
Dir manchen Bissen zu.
Des Nachts, im Herbst und Winter,
Legst du dich nah am Herd
In dein bequemes Körbchen,
Und schlummerst ungestört.
Tochter eines russischen Offiziers, nach dessen frühem Tod die Familie in Armut geriet. Die Mutter, eine geborene Deutsche, sorgte dennoch für eine gute Ausbildung ihrer Kinder. Elisabeths außergewöhnliche Begabung zeigte sich schon sehr früh. Von ihrer Mutter unterrichtet, sprach und las sie mit sechs Jahren flüssig russisch und deutsch. Ein Freund der Familie, Karl Friedrich von Großheinrich, unterrichtete Elisabeth in verschiedenen Fremdsprachen. Elisabeth Kulmann war außergewöhnlich sprachbegabt. Sie sprach fließend: Russisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch sowie Neugriechisch. Außerdem verstand sie Latein, Altgriechisch und Kirchenslawisch. Eigene Dichtungen schrieb sie vorwiegend in ihren Lieblingssprachen Russisch, Deutsch und Italienisch. Ihr Lehrer K. F. von Großheinrich, der später ihre deutschen Gedichte herausgab und auch eine Biographie der Dichterin verfaßte,
schickte einige deutsche, französische und italienische Dichtungen Elisabeths, die sie als Dreizehnjährige geschrieben hatte, an Goethe und Jean Paul. Beide lobten ihre Gedichte und Goethe prophezeite Elisabeth Kulmann eine ehrenvolle Stelle in der Literatur, egal in welcher der ihr bekannten Sprachen sie schreiben würde. Als im November 1824 eine verheerende Überschwemmungskatastrophe Sankt Petersburg heimsuchte, erkrankte Elisabeth Kulmann schwer. Trotz ihrer Krankheit arbeitete sie weiter an ihren Übersetzungen und Dichtungen, bis sie ein Jahr später im Alter von 17 Jahren starb.