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Zoo

Als Zoo oder zoologischen Garten bezeichnet man eine der Öffentlichkeit zugängliche dauerhafte Einrichtung zur Haltung insbesondere seltener oder exotischer Wildtiere. Als ältester Zoo der Welt gilt die 1752 gegründete Anlage in Wien-Schönbrunn. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlebten zoologische Gärten insbesondere in Kolonialländern wie Frankreich, England, Deutschland und den Niederlanden eine erste Blütezeit und präsentierten den beeindruckten Zuschauern sämtliche Lebewesen aus den eroberten fremden Ländern. Neben exotischen Tieren wurden dabei auch "unverfälschte Naturmenschen" als gesellschaftskulturelle Sensationen zur Schau gestellt, die in traditioneller Kleidung in ihren Heimatländern nachgestellten Kulissen lebten.

Heute sind Zoos in ganz Europa weit verbreitet und beliebte Freizeitanlagen für breite Bevölkerungskreise. In der Schweiz bestehen neben den fünf anerkannten und wissenschaftlich geleiteten zoologischen Gärten Basel, Zürich, Bern, Goldau und Langenberg noch rund 120 weitere öffentlich zugängliche Wildtierhaltungen (Kleinzoos, Tierparks, Volieren, Storchenkolonien etc). Die Anlagen sind nicht mehr nur auf die Zerstreuung und Unterhaltung ihrer Besucher ausgerichtet, sondern fühlen sich in der Regel auch wichtigen Aufgaben in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Forschung und Artenschutz verpflichtet. Statt das Publikum wie früher lediglich zu unterhalten, wollen heutige Zoos und Wildtierpärke durch Information das Verständnis für Tiere und ihre Bedürfnisse fördern und auf diese Weise indirekt zu deren Schutz beitragen, indem man Besuchern die Möglichkeit eröffnet, eine Beziehung zu den Tieren aufzubauen und hierdurch motiviert die Erhaltung bedrohter Arten durch Spenden zu unterstützen. Einen Beitrag zu Artenschutz und -vielfalt leisten zoologische Gärten auch durch den Umstand, dass sie mitunter tatsächlich die letzte Zufluchtstätte für bedrohte Tierarten darstellen.

Seit einigen Jahren ist - zumindest bei einigen - Zoos auch ein allgemeines Umdenken in Richtung tiergerechterer Haltung zu erkennen. Dabei wird die einstmalige Aneinanderreihung trostloser Tierkäfige ohne Umweltanreize (Menagerie) zunehmend durch gitterlose Freilandanlagen ersetzt und verstärkt versucht, den Tieren eine möglichst getreue Nachbildung ihres natürlichen Lebensraumes mit Rückzugsmöglichkeiten etc. zu bieten. Durch eine Reduktion der gehaltenen Tierarten zugunsten eines Zusammenlebens im Sozialverband in grosszügiger, gut strukturierter Umgebung versucht man ausserdem, die Lebensqualität der Tiere zu erhöhen. Zudem verzichten viele moderne Zoos, nicht zuletzt aufgrund des starken öffentlichen Drucks, vollständig auf das Ausstellen grundsätzlich nicht artgerecht zu haltender Tiere wie Delphine und Eisbären. Wenngleich zoologische Gärten vor dem Hintergrund dieser begrüssenswerten Entwicklung grundsätzlich sinnvolle Einrichtungen sein können, müssen einige Punkte unter tierschützerischen Aspekten noch immer kritisch beleuchtet werden. So erscheint es fragwürdig, wenn sich zoologische Gärten als Retter der Artenvielfalt rühmen, infolge des oftmals unkontrollierten und tierschutzwidrigen Wildfangs der Tiere gleichzeitig aber einen Teil des Problems darstellen. Viele exotische Tiere nehmen bei der Beförderung in die westlichen Industriestaaten Schaden oder sterben sogar aufgrund misslicher Transportbedingungen.

In zoologischen Gärten und Tierpärken führen ungenügende Auslaufmöglichkeiten und vor allem der Mangel an sozialen Aktivitäten häufig zu - meist auch für den Zuschauer nicht zu übersehenden - widernatürlichen oder gar stereotypen Verhaltensweisen der Tiere. Da ihnen im Laufe der Zeit viele bedeutsame natürliche Instinkte, wie etwa die Verteidigung des Territoriums oder die Jagd auf Nahrung, abhanden gekommen sind, ist auch der forschungstechnische Nutzen bei der Beobachtung von Wildtieren in Gefangenschaft meist nur gering - ganz abgesehen davon, dass das Observieren derart "unnatürlicher" Wildtiere nicht wirklich zu einer humanen Sensibilität für das Tier beitragen kann, da dieses sich letztlich in menschlicher Gefangenschaft befindet. Und für den Besucher ist der Aufklärungsaspekt zoologischer Gärten in der Regel ohnehin nur nebensächlich, da die meisten Zuschauer noch immer eher am blossen Betrachten des Fleisch verzehrenden Tigers interessiert sind als an der Tafel mit den Informationen darüber, woher das Tier stammt und welches seine natürlichen Bedürfnisse sind.

Ein weiteres Problem stellt die nicht selten vorgenommene Tötung "überzähliger" und nirgendwo platzierbarer Zootiere dar. Auch das generell angeführte Argument des Artenschutzes ist kritisch zu bewerten, da die meisten Zoos den Schutz des natürlichen Lebensraumes des Tieres nur ungenügend fördern. Stattdessen wird fortwährend Geld in Jungtiere investiert, die als Besucherattraktionen präsentiert und im Handel mit anderen Zoos erworben oder in eigenen Zuchtprogrammen geboren werden. Wie ihre Eltern sind die Jungtiere aufgrund des Verlusts ihrer natürlichen Instinkte nur sehr schwer oder überhaupt nicht auszuwildern. In Gefangenschaft gehaltene Tiere tragen somit grundsätzlich zwar zur Artenvielfalt bei, können für die Populationsaufstockung in freier Wildbahn jedoch nichts Entscheidendes beitragen.

Letztlich haben sich Tierparks und zoologische Gärten auch dem Verfassungsgrundsatz des Schutzes der kreatürlichen Würde zu stellen, die beispielsweise dann tangiert wird, wenn Tieren die Möglichkeit fehlt, sich dem dauernden Exponiertsein gegenüber den Besuchern zu entziehen. Damit verbunden ist unter anderem auch die Frage, ob Tiere lediglich aus Prestigegründen gehalten werden dürfen und nicht allein schon durch den Umstand des Gefangenseins in ihrem Selbstzweck und Eigenwert verletzt sind.


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Links zu diesem Thema

Arche-Höfe von Pro Specie Rara
Kein Zoo, kein tierisches Kuriositätenkabinett. Die ProSpecieRara Arche-Höfe bieten allen Interessierten die Gelegenheit, seltene Tiere in ihrer natürlichen Umgebung auf landwirtschaftlichen Betrieben zu erleben, wo sie artgerecht gezüchtet und gehalten werden. Auf den Arche-Höfen werden verschiedene Aspekte rund um das Thema vom Aussterben bedrohter Nutztiere beleuchtet
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Argumentarium Zoo
Argumentationshilfe und Stellungnahme der Stiftung für das Tier im Recht
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Elefanten in Zoo und Zirkus
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Leiden in der Manege
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Menschen für Tierrechte - Zoo und Zirkus
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Literatur zu diesem Thema

TIR-Film: Tier im Recht bewegt
 
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