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>> Tierschutz / Einzelne Problembereiche / Versuchstiere / Verwendete Tierarten/ Exkurs: Primatenversuche

Verwendung von Affen in der wissenschaftlichen Forschung

Gemessen an der Menge experimentell verwendeter Mäuse und Ratten ist die Anzahl eingesetzter Laboraffen nur gering. Gemäss der letzten, sich auf das Jahr 1996 beziehenden, Tierversuchsstatistik der EU betrug der Anteil von Primaten an der Gesamtzahl von Versuchstieren lediglich ein Prozent. In der Schweiz wurden 2003 in bewilligungspflichtigen Experimenten 455 Affen verwendet, was einem Anteil von etwa 0,1 Prozent aller Versuchstiere entspricht. Davon wurden 15 Prozent bei der Entwicklung von Pharmazeutika im Bereich Herz-Kreislauf-Krankheiten, 64 Prozent bei der Entwicklung von Pharmazeutika in sonstigen Bereichen (davon ein Fünftel bei der Entwicklung neuer Immunsuppressiva für die Organtransplantation) und 20 Prozent im Bereich Nerven- und Geisteskrankheiten (Grundlagen- sowie angewandte Forschung) eingesetzt. Die Industrie benötigte 83 Prozent der Tiere. Insgesamt wurden rund drei Viertel der Primaten kaum belastet, während etwa 6 Prozent eine mittlere und 13 Prozent eine schwere Belastung erlitten. Die Zahl der in nichtbewilligungspflichtigen Tierversuchen (insbesondere in verhaltensbiologischen Studien über Geschmacksreaktionen und Sozialverhalten) verwendeten Primaten belief sich 2003 auf rund vierzig.

Erwiesenermassen steigt jedoch die öffentliche Ablehnung gegen Tierexperimente, je näher eine betroffene Tierart dem Menschen steht bzw. je ähnlicher sie ihm anatomisch oder in ihrem Verhalten ist. Der Gebrauch hoch entwickelter (nichtmenschlicher) Primaten zu Versuchszwecken gibt daher immer wieder Anlass zu besonders heftigen Diskussionen. Wenngleich gerade die Tatsache, dass grundlegende Vorgänge im tierlichen Organismus jenen im Menschen entsprechen, zur Einführung von Tierversuchen geführt hat, berühren Experimente mit Tieren, denen sich der Mensch in irgendeiner Weise verbunden fühlt, die Öffentlichkeit nachweislich weit mehr als Eingriffe an Nagern, Amphibien etc. Der Hinweis, dass es sich bei Mäusen, Ratten oder Fröschen um Tiere handelt, die bei vielen Menschen Ekel oder gar Angst auslösen, begründet selbstverständlich aber keine ethische Legitimation für ihre experimentelle Verwendung. Anzumerken ist vielmehr, dass sie unter den Versuchsbelastungen ebenso leiden wie Hunde, Katzen oder Affen und daher auch dasselbe Mitgefühl verdienen.

Über 10'000 Affen - zumeist Makaken (wie Rhesus- oder Javaneraffen), aber auch Marmorsets, Meerkatzen, Totenkopfäffchen, Paviane und Schimpansen - werden jährlich in der Europäischen Union zu Versuchszwecken verwendet. Entgegen dem allgemeinen Versuchstierrückgang steigt die Zahl in einigen Ländern sogar an, so beispielsweise in Grossbritannien, den Niederlanden oder Deutschland, wo im Jahre 2001 mit über 1900 Affen rund 400 mehr als noch 1996 verwendet wurden.

Die Tiere werden in verschiedensten (oftmals langjährigen) Experimenten der Grundlagen- als auch in vielen Bereichen der angewandten Forschung eingesetzt, wobei das Spektrum von der Verwendung als Modelle für bislang unheilbare Krankheiten (wie Aids, BSE, Parkinson, Alzheimer, Schizophrenie oder andere psychiatrische Erkrankungen) über die Verhaltens-, Hirn- und Nervenforschung bis hin zur Raumfahrtentwicklung reicht. Primaten werden vor allem benutzt, weil sie besonders intelligent, lern- und leistungsfähig sind. Insbesondere die sog. Kognitionsforschung (über die Wahrnehmung und das Erkennen) macht sich die hohe Kooperations- und Lernfähigkeit der Tiere zunutze. Aufgrund ihrer in verschiedener Hinsicht sehr engen Verwandtschaft zum Menschen erhofft man sich ausserdem, das grundsätzliche Problem der Übertragung von Tierversuchsergebnissen verringern zu können. Nachweislich sind sich der Mensch und verschiedene Menschenaffenarten in über 98 Prozent ihres genetischen Materials gleich (die engsten Verwandten von Schimpansen sind übrigens nicht etwa die Gorillas, sondern die Menschen). So ist etwa das zentrale Nervensystem vieler Primaten annähernd identisch organisiert wie das unsere. Auffallende Ähnlichkeiten sind auch im Sozialverhalten, den emotionalen Bedürfnissen und geistigen Fähigkeiten zu beobachten. Einen eindeutigen Unterschied stellt hingegen ihre fehlende Sprachfähigkeit dar, was aber vielmehr auf anatomische als grundsätzlich intellektuelle Differenzen zurückzuführen ist, da Primaten die physiologischen Voraussetzungen fehlen, um mit ihren Stimmorganen Worte zu formulieren.

Die Gründe, die Affen für die Wissenschaft zu derart interessanten Forschungsobjekten machen, sprechen gleichzeitig aber auch gegen ihren experimentellen Einsatz: Gerade weil sie dem Menschen so nahe verwandt sind, ist es ethisch höchst fragwürdig, Primaten für Versuchszwecke zu verwenden - wobei die Frage, ob der Mensch hingegen das Recht hat, Tiere tieferer Entwicklungsstufen für Experimente zu benutzen, damit nicht implizit bejaht werden soll. Ob die Zucht und Verwendung hoch entwickelter Primaten verwerflicher ist als jene "niedrigerer Arten", ist strittig. Ethisch wird eine derartige Unterscheidung unter anderem damit begründet, dass nur wenige Tiere über zukunftsbezogene Wünsche (Interessen) verfügen. Die meisten - wie Mäuse und Ratten, aber auch Katzen - hätten diese Fähigkeit jedoch nicht und dürften daher schmerzlos oder unter Narkose getötet werden. Zu hinterfragen sind Affenversuche zudem meist auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten, da sie in vielen Bereichen durchgeführt werden, in denen längst Alternativmethoden verfügbar wären. So wäre eine Reihe von Experimenten heutzutage problemlos durch andere Verfahren ersetzbar (beispielsweise Versuche in der Parkinson- und Alzheimerforschung, der Toxikologie oder bei der Prüfung von Polioimpfstoffen).


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