Experimente mit Tieren werden in unserem Kulturkreis durchgeführt, seit der Mensch nach naturwissenschaftlichen Erkenntnissen strebt und lassen sich somit bis in die Antike zurückverfolgen. Öffentlich diskutiert werden sie aber erst seit rund 300 Jahren mehr oder weniger heftig. In Forscherkreisen trug spätestens die Theorie der beweisbaren Methodik von René Descartes, der Tiere mit empfindungsunfähigen Automaten verglich, viel dazu bei, anfängliche ethische Bedenken gegen Tierversuche zu zerstreuen. Seither wurde die Vivisektion zu einer immer häufiger angewandten Praxis. Bis in die Neuzeit wurden ernsthafte Bedenken bezüglich der moralischen Berechtigung des Einsatzes von Tieren in Experimenten daher kaum öffentlich geäussert. Während sich kritische Stimmen infolge einer mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften verbundenen Welle von Tierversuchen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrten, wurde die breite Öffentlichkeit im deutschen Sprachraum erstmals durch die Veröffentlichung Ernst von Webers Broschüre "Die Folterkammern der Wissenschaft: Eine Sammlung von Thatsachen für das Laienpublikum" (Berlin 1879) aufgeschreckt.
Die sog. Antivivisektionsbewegung hatte ihren Ursprung in Florenz und England, von wo aus sie sich rasch über den ganzen europäischen Kontinent ausdehnte. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erreichte die Auseinandersetzung ihren ersten Höhepunkt, verflachte danach aber wieder deutlich. Infolge einer Reihe epochaler Erfolge (insbesondere im Bereich der Medizin) genoss die Forschung im 20. Jahrhundert während langer Zeit nahezu unbeschränkte Autorität und bedurfte keiner öffentlichen Rechtfertigung. Tierexperimente wurden dabei als eine der tragenden Säulen der Naturwissenschaften mit absoluter Selbstverständlichkeit durchgeführt und gesellschaftlich nahezu bedenkenlos akzeptiert. Erst in den siebziger Jahren entfachte der Streit von neuem. Zum Wiedererwachen der öffentlichen Auseinandersetzung haben vermehrte Mediendokumentationen sowie diverse angloamerikanische Veröffentlichungen (so insbesondere Peter Singers 1975 erschienene "Animal Liberation"), bedeutend beigetragen. Heute ist der Tierversuch - nicht zuletzt unter dem Einfluss neuer Forschungsdisziplinen wie der Gentechnologie - aktueller denn je und in Europa ein weithin umstrittenes öffentliches Thema. In einer 1989 bis 1993 durchgeführten internationalen Studie wurde untersucht, welche kulturellen und gesellschaftlichen Faktoren die Einstellung zu Tierversuchen beeinflussen. Befragt wurden dabei Personen aus elf EU-Staaten sowie den bedeutenden Industrieländern USA, Kanada und Japan (nicht aber aus Österreich und der Schweiz). Dabei zeigte sich, dass die öffentliche Ablehnung in Frankreich und Deutschland am grössten ist, während in Portugal, Griechenland, den Niederlanden, Kanada, Japan und den USA eine Mehrheit der befragten Personen auch belastende Tierversuche zugunsten menschlicher Interessen gutheisst. Auffallend ist, dass Frauen Tierexperimenten allgemein kritischer gegenüberstehen als Männer und sich Tierversuchsgegner tendenziell auch für andere Tier- und Umweltschutzanliegen interessieren.
Auch in der Schweiz nimmt die Bevölkerung seit jeher Anteil an der regen Diskussion. In jüngster Vergangenheit hatte das eidgenössische Stimmvolk gleich viermal Gelegenheit, auf Bundesebene über Initiativen mit grundlegendem Inhalt zum Schicksal von Versuchstieren abzustimmen. Sämtliche Vorlagen wurden mehr oder weniger deutlich abgelehnt, was den experimentellen Einsatz von Tieren hierzulande auch in Zukunft generell legitimiert. Es handelte sich dabei im Einzelnen um die sog. Weber-Initiative "für die Abschaffung der Vivisektion", die am 1. Dezember 1985 mit rund 71 Stimmenprozent und 23 zu 0 Ständen genauso verworfen wurde wie am 16. Februar 1992 das gemässigtere Volksbegehren des Schweizer Tierschutzes "zur drastischen und schrittweisen Einschränkung der Tierversuche (Weg vom Tierversuch)" mit rund 56 Prozent und 19,5 zu 3,5 Ständen. Das relativ knappe Volksabstimmungsergebnis hatte immerhin eine umfangreiche Revision der schweizerischen Tierschutzgesetzgebung - namentlich im Bereich Tierversuche - zur Folge. Auch die ILÄAT-Initiative "zur Abschaffung der Tierversuche" (die wie die Weber-Initiative ein Totalverbot zum Ziel hatte) wurde am 7. März 1993 mit 72 Prozent Nein-Stimmen und 23 zu 0 Ständen abgelehnt. Am 7. Juni 1998 scheiterte schliesslich auch die sog. Gen-Schutz-Initiative, die unter anderem ein Verbot der Herstellung transgener Tiere und der Patentierung von Lebewesen forderte, an rund zwei Drittel Nein-Stimmen und 23 zu 0 Ständen.