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Tierschutz / Einzelne Problembereiche / Versuchstiere / Alternativmethoden
Konzept der 3 R
Zur Umsetzung der Forderung nach Alternativmethoden wurden verschiedene Programme entwickelt. In der Praxis hat sich vor allem das sog. "Konzept der 3 R" (Replacement, Reduction, Refinement) etabliert. Darunter werden grundsätzlich alle Massnahmen verstanden, die geeignet sind, Versuchstierleiden zu vermeiden oder wenigstens zu vermindern bzw. die Tiere durch verbesserte Tierhaltung und -behandlung etc. zu entlasten. Die entsprechende Begriffsbestimmung geht auf eine Veröffentlichung von William M. S. Russell und Rex L. Burch (The Principles of Humane Experimental Technique, London 1959) zurück. Die internationale Entwicklung in Richtung einer eigentlichen 3 R-Praxis hat allerdings erst gegen Ende der siebziger Jahre eingesetzt. Vermieden werden sollen Tierversuche (Replacement), indem sie soweit wie möglich durch Experimente an empfindungsloser Materie ersetzt werden. Wie dargestellt wurden in der Entwicklung alternativer Verfahren in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt, sodass diesbezüglich eine Vielzahl praxistauglicher Methoden zur Verfügung steht. Zu denken ist in diesem Zusammenhang beispielsweise an Studien mit Mikroorganismen, Zell-, Gewebe- und Organkulturen, "niedrigeren" Lebewesen (Pilzen, Bakterien etc.) oder Computersimulationen. Um Tierversuche im Rahmen der Aus- und Weiterbildung zu ersetzen, besteht ausserdem die Möglichkeit des Einsatzes verschiedenster Modelle und Lehrfilme. Möglichkeiten zur Verminderung (Reduction) der Anzahl benötigter Tiere und deren Leiden ergeben sich etwa durch verbesserte Untersuchungstechniken, die Optimierung der Versuchsplanung, eine exaktere Risikoabschätzung oder auch durch transparente und aussagekräftige Tierversuchsstatistiken. Verfeinerungen der Tierexperimente (Refinement) erreicht man schliesslich durch sämtliche Massnahmen, die für die Labortiere eine Verringerung der Stresssituation und anderer Belastungen bedeuten. Hierbei ist das gesamte Versuchsumfeld zu überblicken; von entscheidender Bedeutung sind aber insbesondere die Labortierhaltung und das sog. Handling, d.h. die Art und Weise, wie die Tiere behandelt und auf die Eingriffe vorbereitet werden. Zu denken ist in diesem Zusammenhang etwa an die sorgfältige Vorbereitung auf die Experimente, verbesserte Narkoseverfahren, medikamentöse Analgesie (Schmerzbekämpfung) sowie eine allgemein gute Pflege und Behandlung. Die Schmerzen und Leiden von Labortieren auf ein Mindestmass zu reduzieren, gebieten im Übrigen aber nicht nur ethische, sondern auch wissenschaftliche Prinzipien. Erhöhte Belastungen vor und während den Versuchen beeinflussen die Resultate und können gar zu falschen Ergebnissen führen.
Dogmatische Tierversuchsgegner stehen dem Prinzip der 3 R eher kritisch oder sogar ablehnend gegenüber, da es Tierexperimente nicht prinzipiell in Frage stellt, sondern nur graduell ersetzen will. Insbesondere der Refinement-Aspekt wird als problematisch bezeichnet, weil damit kein eigentlicher Ausweg aus dem Tierversuchssystem aufgezeigt werde. Einen wirklich positiven Aspekt können Verfeinerungsmassnahmen einem Tierexperiment in diesem Sinne nicht verleihen. Die Bedenken sind nachvollziehbar - insbesondere vor dem Hintergrund der stetig zunehmenden Verwendung transgener Versuchstiere. Selbst wenn Fortschritte durch die 3 R-Strategie tatsächlich nur langsam erfolgen und in einzelnen Bereichen nur schwierig zu erzielen sind (so ist die Anwendung des 3 R-Konzepts insbesondere in der Toxikologie erheblich schwieriger als beispielsweise in der Arzneimittel- oder der Grundlagenforschung, da die Tierversuche in diesem Bereich standardisiert sind und deren Resultate die Grundlage für behördliche Massnahmen beim Verbraucherschutz bilden), zeigt der kontinuierliche Rückgang der Versuchstierzahlen, dass sich mit der "Methode der kleinen Schritte" durchaus Erfolge verzeichnen lassen. Jedenfalls hat bisher kein anderes Vorhaben mit dem Ziel einer Reduzierung von Tierversuchen derart viel bewirkt wie das Konzept der 3 R. Ein absoluter Tierversuchsstopp ist angesichts des Ansehens, das die traditionelle Wissenschaft noch immer geniesst, nicht realistisch. Die beiden R für "reduce" und "refine" können aber zumindest als strategisch nötige Zwischenstationen auf dem Weg zur Erreichung des langfristigen Ziels, dem vollständigen Ersatz von Tierexperimenten ("replace"), verstanden werden. Diese Ansicht wird von vielen Tierschützern denn auch geteilt. Die grundsätzliche Bereitschaft von Tierschützern, über alle drei R zu sprechen, soll hingegen nicht dahingehend interpretiert werden, Tierversuche würden als eine ethisch akzeptable wissenschaftliche Methode angesehen.
Links zu diesem Thema
Stiftung Forschung 3R / Alternativmethoden zu Tierversuchen
Schweizer Stiftung zur Unterstützung tierversuchsfreier Forschung, Informationen zum 3R Konzept und weiterführende Links
Tierschutz bei Tierversuchen
Universität Giessen - Sammlung internationaler Gesetze, Verordnungen und Vorschriften als Beitrag zu den 3 R (Refine, Reduce, Replace)
Versuchstiere: Weiterführende Links
Schweizer Stiftung Forschung 3R - Liste mit vielen weiterführenden Links zur Versuchstierhaltung, Tierschutz-Gesetzgebung und Richtlinien in der Schweiz, 3R Organisationen und Stiftungen, Biomedizinische Forschung in Vitro, Fachgesellschaften, staatliche Organisationen
ZEBET: Datenbank von Alternativmethoden zu Tierversuche
Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET), Deutsches Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)- Datenbank über Alternativmethoden zu Tierversuchen (in Englisch). Ziel: Unterstützung von Wissenschaftlern und Vertretern der Genehmigungsbehörden bei der Erfüllung nationaler und europäischer Vorschriften bei der Prüfung der Unerlässlichkeit von Tierversuchen und Anwendung von Alternativmethoden. Entwicklungsstand, Validierung sowie wissenschaftliche bzw. behördliche Akzeptanz für jede Methode werden bewertet