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Genomanalyse und transgene Tiere
Durch den Einsatz der Gentechnologie erhofft man sich weitere züchterische Fortschritte. So sind insbesondere weit grössere sog. Heritabilitäten (d.h. der genetische Anteil der theoretischen Grösse, um die sich die Ausprägung eines einzelnen Merkmals durch Züchtung von Generation zu Generation erhöhen lässt) zu erreichen als mit herkömmlichen Zuchtmethoden. Bereits als Standardverfahren etabliert hat sich die sog. Genomanalyse und -kartierung, wobei nach einer systematischen Untersuchung der tierlichen Erbinformation eine Genkarte angefertigt wird, die der Erkennung züchterisch relevanter Eigenschaften sowie der Diagnose von Erbfehlern dient und somit eine noch effizientere Auswahl der Zuchttiere erlaubt. Als Beispiel sei hierzu der in der Schweinezucht routinemässig durchgeführte sog. MHS-Gentest genannt, womit stressresistente Gene ermittelt werden, um die Ausfallrate bei Mastschweinen durch Herz-Kreislauf-Schwäche zu reduzieren.
Durch den direkten Eingriff in die tierliche Keimbahn können zudem artfremde genetische Informationen eingeschleust werden (Gentransfer). Während sich sog. somatische Interventionen auf die Veränderung einer bestimmten Körperzelle und somit auf das jeweilige Individuum beschränken, sind Eingriffe im frühembryonalen Stadium weit folgenreicher, da sie sich auch auf die Folgegenerationen auswirken. Wird das eingepflanzte Gen anschliessend stabil weitervererbt, entstehen sog. transgene Tiere, wobei man je nach Zielsetzung und Herstellungstechnik zwischen klassisch transgenen und sog. Knock-out-Tieren (denen ein bestimmtes Gen gezielt ausgeschaltet wurde) unterscheidet. Die Erzeugung transgener Tiere gilt als Tierversuch, wobei man in der Praxis insbesondere zwei Methoden anwendet: Bei der DNA-Mikroinjektionstechnik werden mit einer feinen Injektionsnadel bis zu tausend Kopien einer fremden Erbinformation direkt in die Keimbahn (d.h. den Vorkern einer befruchteten Eizelle) gespritzt, während beim embryonalen Stammzellsystem (ES-System) fremde Erbinformation in embryonale, in vitro kultivierte Stammzellen eingebracht und gezielt ein endogenes (ursprüngliches) Gen mit einem ähnlichen Fremdgen ausgetauscht wird. Wenn das Fremdgen wunschgemäss eingebaut ist, setzt man die manipulierten Zellen in sog. Blastozyten (d.h. embryonale Frühstadien) ein und lässt sie durch eine Leihmutter austragen. Durch Weiterzüchtung werden anschliessend jene Tiere selektioniert, die das manipulierte Gen in ihren Keimzellen enthalten und den Ausgangspunkt einer neuen transgenen Linie bilden. Beide Verfahren weisen erhebliche theoretische und technische Defizite auf; in der Praxis fallen auf ein erfolgreich manipuliertes Tier rund hundert Fehlversuche.
Links zu diesem Thema
SAG Schweiz
Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie behandelt alle relevanten Themen um Gentechnik in der Nutz- und Versuchstierhaltung, ausführlich, informativ und kritisch
Schweine als "Organspender"
Deutsche Animal Protection - Da Schweineorgane denen des Menschen in Form und Grösse ähnlich sind, wird anhand von gentechnischen Veränderungen versucht, die Organe des Schweins zu "humanisieren". Anfang 2002 gelang es Forschern ein Schwein zu klonen, denen ein proteinbildendes Gen fehlt, welches vom menschlichen Körper als Fremdstoff erkannt wird und zur Abstossung des Organs führt. Ebenso wurden Schweinen bereits Erbinformationen des Menschen eingepflanzt
Tierschutzwidrige Gewinnung eines Medikamentenbestandteils
Pericles Pferdeschutz - Mit dem Medikament Premarin lassen sich bei Frauen unangenehme Störungen und Gewebeveränderungen bekämpfen, die in den Wechseljahren auftreten. Zur Gewinnung des Grundstoffes für dieses Produkt müssen die Stuten trächtig sein. Während sieben Monaten der elf Monate dauernden Tragzeit werden die Tiere Tag und Nacht im Stall angebunden, damit der begehrte östrogenreiche Urin in einer fest an ihr Hinterteil gepressten Vorrichtung aufgefangen werden kann
Tierzucht - Höchstleistung ist das Ziel
Deutsche Akademie für Tierschutz - Gewinnmaximierung ist auch in der Tierzucht oberste Maxime. Zuchtziel bilden Tiere, die ihrer Nutzung entsprechend rekordverdächtige und unphysiologisch hohe Leistungen erbringen. Diese leiden oft unter Knochen- und Gelenkproblemen, bis hin zu schweren Deformationen (z.B. Masthähnchen). Da sich die Mast der männlichen Küken aus der Legehennenzucht nicht rechnet, werden diese gar nicht erst aufgezogen, sondern sofort nach dem Schlüpfen mit Gas oder in einem so genannten Homogenisator getötet. Männliche Ferkel bestimmter Zuchtlinien fallen auch als "Nebenprodukte" an
Transgene Tiere
SAG - Transgene Tiere: Zusätzliche Gene werden in das Erbgut der Versuchstiere eingebracht oder sie werden im tierischen Genom
ausgeschaltet. Dies zur Identifikation der Gen-Funktionen oder um Modelle von menschlichen Krankheiten zu erhalten. Die Gentechnik formt Tiere zu Pharmaproduzenten um und steigert das Tier als Fleischlieferant
Literatur zu diesem Thema
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