Leicht in Vergessenheit gerät dabei aber, dass neben Schlachttieren auch andere Tiergruppen (wie etwa Sport-, Ausstellungs-, Zucht- oder Zirkustiere) oft und teilweise ebenfalls über weite Strecken befördert werden. Ihres hohen Markt- oder ideellen Werts wegen wird diesen auf dem Transport in der Regel jedoch eine weit bessere Behandlung zuteil, wofür man weder Kosten noch Mühe scheut und modernste Beförderungstechniken einsetzt. Demgegenüber werden Nutz- und vor allem Schlachttiertransporte oft vernachlässigt; hier hat eine allein durch die finanzielle Bedeutung der Tiere geprägte Grundhaltung zur Folge, dass durch rohen Umgang oder unterlassene Pflege- und Schutzmassnahmen vermeidbare Leiden entstehen. Wie stark die Behandlung der Tiere von deren Nutzen für den Menschen abhängt, lässt sich am Transport von Pferden exemplarisch aufzeigen: Während kostbaren Sport- oder Zuchtpferden in der Regel eine vorbildliche individuelle Betreuung in optimal ausgestatteten Wagen (und nicht selten in Einzelboxen) zukommt, erfolgt die Beförderung von Schlachtpferden - wofür vorwiegend in südeuropäischen Ländern eine grosse Nachfrage besteht - unter bisweilen miserablen Bedingungen. Die Europäische Union ist der weltweit grösste Pferdefleischkonsument, wobei sie rund zwei Drittel der Tiere aus Drittstaaten einführt. Insbesondere für den italienischen und französischen Markt werden jährlich rund 150'000 Schlachtpferde aus östlichen Staaten bzw. per Schiff aus Südamerika (vor allem aus Uruguay und Argentinien) importiert. Durch die politische Umstrukturierung Osteuropas bedingt transportiert man Schlachtpferde überdies aber auch vermehrt aus noch weiter entlegenen Gebieten (so etwa aus Sibirien) in die Union, wobei Entfernungen von bis zu 5000 Kilometern zurückgelegt werden.
Das Tiertransportwesen berührt eine Vielzahl von Problembereichen. Einerseits sind für eine tierschutzgerechte Durchführung verschiedenste Einzelaspekte, wie etwa der Zustand der Tiere, die Beförderungsdauer, die Konstruktion und Ausstattung der Transportmittel, die Belegdichte oder einzuhaltende Versorgungsintervalle und Ruhezeiten zu beachten. Generell entscheidende Bedeutung kommt insbesondere einer verantwortungsvollen und schonenden Behandlung durch das beauftragte Transportpersonal zu - dies beginnt bereits bei der Vorbereitung der Tiere auf die Beförderung und endet mit der sorgsamen Verbringung am Bestimmungsort -, wobei für jede Tierart aufgrund deren spezifischen Grundvoraussetzungen andere Ansprüche gelten. Aus ethischer Sicht ist andererseits abzuwägen, ob überhaupt ein vernünftiger Grund dafür besteht, Tiere erheblichen Transportbelastungen auszusetzen. Ausserdem stellen sich die Fragen, ob die derzeitigen zoologischen Kenntnisse überhaupt genügen, um die physischen und psychischen Anstrengungen von Transporttieren hinreichend einzuschätzen, und ob die gesetzlichen Bestimmungen ausreichen, um ihnen einen angemessenen Schutz vor Schmerzen, Leiden und Schäden zu gewähren. Letztlich gilt es auch zu prüfen, wieweit bei Tierbeförderungen den Anliegen des Seuchenrechts (im Sinne einer Vermeidung der Übertragung von Krankheiten und Verbreitung von Epidemien) sowie des Verbraucherschutzes bezüglich der Qualität und Sicherheit der von Transporttieren stammenden Lebensmittel nachgekommen wird. Namentlich bei grenzüberschreitenden Transporten ist man insbesondere darauf bedacht, ein Einschleppen von Seuchen durch angesteckte Tiere zu verhindern. In der Praxis geschieht dies mittels administrativen Bewilligungsverfahren und Einfuhrverboten aus gewissen Herkunftsgebieten, d.h. durch Ursprungs- und Gesundheitszeugnisse von Veterinärbehörden und grenztierärztliche Kontrollen. Allen Vorsichtsmassnahmen zum Trotz werden durch Tiertransporte immer wieder Epidemien verbreitet. So wurde beispielsweise 1920 die Rinderpest mit indischen Zebus, die auf dem Weg nach Amerika in Antwerpen umgeladen wurden, nach Europa eingeschleppt oder die Schweiz 1956 infolge der Einfuhr verseuchter belgischer Schweine von der Maul- und Klauenseuche heimgesucht.
Bedienung
Ausführlichkeit
Qualitätsanspruch
Radikal für die Tiere
Wertschätzung
Lustfaktor
Nicht bewertet