Als noch gravierender als die körperlichen erweisen sich häufig die psychischen Strapazen von Schlachttieren. Wenngleich sie nicht um das Ziel des Transports und ihr nahendes Lebensende wissen, bedeutet bereits der plötzliche Verlust von gewohnter Umgebung und sozialem Umfeld eine beträchtliche emotionale Belastung. Dies gilt insbesondere für Fluchttiere wie Schafe oder Pferde, die allenfalls während Jahren an ihren Herkunftsbetrieb und die dortigen Umweltbedingungen gewöhnt waren. Die Art der Haltung, das Stallklima, die Weide, das Personal, die Artgenossen, regelmässige Fütterungs-, Ruhe- sowie (bei Milchvieh) Melkzeiten sind alles vertraute Werte. Unvermittelt und meist ohne jegliche Vorbereitung oder Angewöhnungszeit werden die Tiere aus diesem konstanten Klima herausgerissen, mit unbekannten Artgenossen zusammengebracht und mit ständig wechselnden Personen (Tierhaltern, Viehhändlern, Chauffeuren und Schlachtpersonal) konfrontiert. Zusammen mit dem Aufspalten und Neugruppieren von Sozialverbänden versetzen all diese Begleitumstände der Beförderung die Tiere oftmals in Angst und Panik.
Auch der Transport in einer sich bewegenden Umgebung stellt für die meisten Tiere, die in den geschlossenen Räumen orientierungslos und den einwirkenden Kräften vollkommen ausgeliefert sind, ein völlig ungewohntes Ereignis dar. Der Platzmangel führt ausserdem zu einer Einschränkung ihrer Bewegungsmöglichkeit, ihres natürlichen Erkundungs- und Ausruhverhaltens sowie zu einer Verringerung ihrer Individual- und Fluchtdistanz. Unter Individualdistanz ist der Abstand zu verstehen, den Tiere normalerweise untereinander einhalten. Bei Transportmitteln wird dieser aufgrund der meist hohen Ladedichte stark verringert oder ist überhaupt nicht mehr vorhanden. Auf den Transportfahrzeugen besteht zudem weder Zeit noch Raum zur Erkundung der neuen Umgebung. Völlig unmöglich ist ein Ausweichen vor anderen Tieren oder eine Flucht aus der beängstigenden Lage. Situationen, in denen Tiere sich einer Gefahrenquelle nicht entziehen oder mit bestimmten Verhaltensweisen reagieren können, werden grundsätzlich als besonders belastend und Angst auslösend empfunden. Vor allem bei plötzlich auftretenden Gefahrensituationen können Tiere in Panik geraten, die sich in hochgradiger Erregung und "kopflosen" Fluchtversuchen äussert. Im Rahmen von Transporten sind diese Anzeichen insbesondere beim Verladen der Tiere und bei Verkehrsunfällen zu beobachten.
Ähnlich belastend wirken sich darüber hinaus verschiedene physikalische und klimatische Einflüsse aus, denen sich Transporttiere in der Regel nicht entziehen können. Zu denken ist etwa an rasch wechselnde Lichtverhältnisse, tages- bzw. jahreszeitbedingte Einwirkungen (wie Temperaturschwankungen, Sonneneinstrahlung oder Luftfeuchtigkeit), Zugluft, fremde Gerüche, Sauerstoffgehalt, Abgase sowie andere Schadstoffe oder unbekannte und laute Geräusche wie Bremsquietschen, Strassen- oder Motorenlärm. Namentlich bei kurzsichtigen Tieren stellt das Hörvermögen einen besonders wichtigen Faktor für das Erkennen von Feinden und das entsprechende Ausweichen dar. Dennoch hat die Bedeutung von Geräuscheinflüssen auf Transporttiere in der Literatur bis anhin nur wenig Beachtung gefunden. Zumindest bei Schweinen wurde jedoch der Nachweis erbracht, dass Transportgeräusche - insbesondere in höheren Frequenzbereichen - stressähnliche Situationen und einen deutlichen Anstieg der Herzfrequenz hervorrufen.