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>> Tierschutz / Einzelne Problembereiche / Landwirtschaftl. Nutztiere / Schlachtung

Tierschutzrelevante Schlachtphasen

Neben Aspekten der Rentabilität und Betriebssicherheit tangiert das Schlachtwesen vor allem diverse tierschutzrelevante Bereiche. Ähnlich wie der Transport ist auch die Situation im Schlachthof für die infolge industrieller Zucht- und Haltungsmethoden ohnehin durch eine erhöhte Belastungsempfindlichkeit charakterisierten Tiere mit verschiedenen ungewohnten und daher beängstigenden Einflüssen verbunden. Obschon sich die Frage, wieweit sie den Tötungsablauf bewusst wahrnehmen, nicht schlüssig beantworten lässt - von eigentlicher Todesangst kann jedoch nicht gesprochen werden, da die Tötung für ein Tier wohl nicht voraussehbar ist -, reagieren die Tiere offenkundig auf verschiedene Stressfaktoren, die mitunter weit belastender sein können als der eigentliche Schlachtvorgang. Nicht immer ist dies jedoch ohne weiteres ersichtlich, da verschiedene Tiere ihrer Angst nicht Ausdruck verleihen können. Beobachtet werden aber individuelle Stressreaktionen wie Schreien, Zappeln, Fluchtversuche, Aggressionen, Speicheln, Harnen, Koten, Pupillenerweiterung, hohe Pulsfrequenz, Schwitzen, Zittern etc. (bei Kaninchen und Geflügel kann ausserdem auch Immobilität ein Ausdruck hochgradiger Angst sein). Auch bleibt bei der Fliessbandtötung im Akkordbetrieb - wobei das Augenmerk ohnehin nicht dem einzelnen Individuum, sondern der Anzahl Schlachtkörper pro Stunde oder Tag gilt - meist gar keine Zeit für eine schonende Behandlung der oft widerspenstigen Tiere und haben die hohen Schlachtvorgaben nicht selten zur Folge, dass die einzelnen Arbeitsschritte hastig und unsorgfältig ausgeführt werden. Aus tierschützerischer Sicht sind Massentötungen im Übrigen nicht nur bei landwirtschaftlichen Nutztieren, sondern generell problematisch. Zu denken ist in diesem Zusammenhang beispielsweise auch an das gruppenweise Betäuben und Töten von Aalen und anderen Fischen. Aale werden in immensen Zahlen in besonderen Räuchereien geschlachtet, wobei parallel zum Problem der Massentötung die artspezifische Schwierigkeit auftritt, die Tiere schonend zu töten. Durch ihre Beweglichkeit und schleimige Hautoberfläche sind Aale schwierig zu handhaben und gegenüber schädigenden Einflüssen äusserst widerstandsfähig (so wird es beispielsweise als nahezu unmöglich betrachtet, die Tiere lediglich mit elektrischem Strom zu töten). In der Praxis hat sich namentlich die Tötung in Ammoniaklösung etabliert, die den technischen Vorteil der gleichzeitigen Entschleimung bietet. Dass diese Methode auch tiergerecht ist, muss indes bezweifelt werden; als geeignetstes Verfahren zur Tötung von Aalen hat sich vielmehr eine etwa sechzig Sekunden dauernde Elektrobetäubung mit anschliessender Überführung in eine Ammoniaklösung erwiesen. Bei Massenfängen von Fischen (etwa im Rahmen der Hochseefischerei oder bei der Bestandesregulierung in Binnengewässern) wird eine Betäubung der einzelnen Tiere derzeit weitgehend als nicht durchführbar betrachtet, wobei insbesondere die Platz- und Personalverhältnisse auf den Booten hinderlich seien. Auch existieren bislang keine elektrischen Betäubungsapparate, womit man derart viele Fische gleichzeitig und effektiv betäuben könnte. Überdies ist das Problem zu lösen, wie jedes einzelne Tier unmittelbar nach der Betäubung geschlachtet werden kann oder eine sichere Tötung ohne Strom möglich ist.

Der gesamte Schlachtablauf lässt sich in verschiedene Stadien unterteilen, denen aus tierschützerischer Sicht allen mehr oder weniger grosse Bedeutung zukommt. Für einen möglichst schonenden Umgang mit den Tieren sind in sämtlichen Phasen eine ordnungsgemässe Ausrüstung sowie insbesondere eine fachkundige und wohlwollende Behandlung durch das ausführende Personal entscheidend.


 

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