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Tierschutz / Einzelne Problembereiche / Landwirtschaftl. Nutztiere / Schlachtung/ Tierschutzrelevante Schlachtphasen / Betäubung
Neue Verfahren
In der Praxis bestimmen vor allem ökonomische Kriterien die Wahl der Betäubungstechnik. Von entscheidender Bedeutung sind für die Betreiber von Schlachtbetrieben neben den Kosten für die Anschaffung, den Betrieb und die Wartung der Geräte auch deren Lebensdauer, das Einhalten einer rentablen Schlachtfrequenz sowie das Vermeiden von Schlachtkörperschäden bzw. Fleischqualitätsmängeln. Aus tierschützerischer Sicht hat indes ein angst- und schmerzloses Verfahren, das zum unmittelbaren Bewusstseinsverlust der Tiere führt und bis zum Ende der Entblutung anhält, absolute Priorität. Noch in den siebziger Jahren ging man allgemein davon aus, dass die herkömmlichen Narkosemethoden ausreichen würden, um diesen Anforderungen zu genügen. Aufgrund der enormen Anzahl durch Personalfehler, ungeeignete Arbeitsgeräte und zu hohe Schlachtfrequenzen bedingter Fehlbetäubungen ist der entsprechende Handlungsbedarf jedoch evident. Nicht selten kommen ungenügend narkotisierte Tiere vor dem Entbluten wieder zu Bewusstsein. Man schätzt, dass von den jährlich etwa 600 Millionen in Europa, Amerika, Asien und Australien getöteten Schlachttieren lediglich rund die Hälfte wirksam anästhesiert wird, wobei ein Grossteil der Missstände auf die ungenügende Ausbildung, Sachkunde oder Ermüdung der Betäuber zurückzuführen ist. Ausserdem wird der Narkoseerfolg nicht regelmässig kontrolliert und oftmals mit der Immobilisierung der Tiere gleichgesetzt. In diesem Zusammenhang sei exemplarisch auf die Elektrobetäubung von Schlachtschweinen verwiesen, bei der eine fehlende Lautäusserung und erfolgte Immobilisation der Tiere durch einen generalisierten Muskelkrampf während des Stromflusses noch keine Aussage über deren Empfindungsvermögen erlauben. Da keine der genannten Methoden eine tierschutzgerechte Schlachtung sicherstellt – sämtliche Verfahren stellen Kompromisse dar und sind nach wie vor mit deutlichen Mängeln behaftet -, wurden in den letzten Jahren verschiedene alternative Betäubungsverfahren entwickelt, die in der Praxis zumindest teilweise Verwendung finden. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang etwa Methoden zur Narkose von Geflügel durch energiereiche Mikrowellen oder CO2 bzw. von Schweinen mittels Unterdruck (Dekompression) oder einem Hochdruckwasserstrahl (Jet-Injektion). Hierbei werden die Tiere durch einen unter enormem Druck (3500 bar) komprimierten und während Millisekunden durch eine Düse gepressten Wasserstrahl narkotisiert, der die Schädeldecke der Schweine durchdringt und das darunter liegende Gehirn in Sekundenbruchteilen völlig zerstört.