Mit jährlich rund 80 Kilogramm stehen die Vereinigten Staaten weltweit denn auch an der Spitze des durchschnittlichen Pro-Kopf-Konsums von Fleisch, gefolgt von Frankreich (72), Dänemark (71), Australien (69), Spanien (66), Irland (65) und Deutschland (62). Dabei zu berücksichtigen ist, dass der Gesamtfleischverbrauch pro Kopf (einschliesslich Knochen, Futter, industrieller Verwertung und allgemeinen Verlusten) jeweils noch um rund ein Drittel höher liegt. Obschon die unionsweiten Zahlen im Vergleich fast schon bescheiden wirken, werden auch in der Europäischen Union jährlich rund 300 Millionen Säugetiere sowie eine enorme Anzahl Geflügel - allein in Grossbritannien etwa 500 Millionen und in Deutschland 300 Millionen - geschlachtet. Im Einzelnen sind dies rund 25 Millionen Rinder, über 6 Millionen Kälber, 171 Millionen Schweine, 75 Millionen Schafe (davon etwa 80 Prozent Lämmer), 9 Millionen Ziegen und rund 350'000 Pferde. Die eidgenössischen Schlachtzahlen wirken hiermit verglichen geradezu bescheiden (nicht zu vergessen ist dabei jedoch, dass die Hälfte des schweizerischen Fleischkonsums durch Importprodukte gedeckt wird). 2002 wurden hierzulande - Geflügel, Fische und Schlachtungen zum Eigengebrauch (sog. Hofschlachtungen) nicht eingerechnet - über 3,7 Millionen Tiere für Nahrungszwecke getötet, wovon mit mehr als 2,7 Millionen der weitaus grösste Teil Schweine waren (gefolgt von Kälbern, Schafen und Kühen). Nicht zu vergessen ist dabei zudem, dass die Hälfte des schweizerischen Fleischkonsums - der jährlich rund 62 Kilogramm pro Person beträgt - durch Importprodukte gedeckt wird.
Neben einem gewaltigen Anstieg der Tiertransporte haben diese immensen Zahlen auch Auswirkungen auf die einzelnen Schlachthöfe, welche die angelieferten Tiere in immer schnelleren Intervallen entgegennehmen, töten und verarbeiten müssen, was zunehmend grössere und leistungsfähigere Anlagen erforderlich macht - eine Tendenz, die durch den andauernden Konzentrationsprozess im Schlachtwesen zusätzlich verstärkt wird. Moderne Betriebe verfügen über Kapazitäten von beispielsweise bis zu 600 verarbeiteten Schweinen pro Stunde, während in der industriellen Geflügelschlachtung im selben Zeitintervall sogar mehrere tausend und täglich bis zu 150'000 Tiere getötet werden. In Europas grösstem Schlachthaus auf der dänischen Insel Seeland werden jährlich 2,3 Millionen Schweine verarbeitet, was einer Zahl von etwa 10'000 pro Tag entspricht. Im Bereich der Geflügelschlachtung hat sich in den letzten Jahren aufgrund hoher hygienischer Ansprüche und nur geringer Schlachtgebühren pro Tier ein grosser Anteil der Schlachtkapazitäten auf die Erzeugerbetriebe verlagert, während gleichzeitig die Zahl der selbständigen Geflügelschlachtereien abnahm. Die Folge davon sind insbesondere bei saisonbedingten Spezialschlachtungen (etwa bei Gänsen und Wildgeflügel) auftretende Engpässe sowie damit verbunden weite Transportwege mit entsprechend hohen Verlusten und erheblichen Qualitätseinbussen.
Allen entsprechenden Bemühungen zum Trotz - das Fliessband wurde im Jahre 1870 in Cincinnati (USA) eigens für die Schlachtindustrie erfunden, um die Tiere schneller töten und zerlegen zu können - liessen sich das Eingliedern der Tiere in die Produktionskette und das eigentliche Töten bislang nicht vollkommen mechanisieren. Dennoch ist der moderne Schlachtablauf weitgehend durch voll automatisierte und computergesteuerte Fliessbandanlagen gekennzeichnet. Da die Wirtschaftlichkeit der Betriebe entscheidend von ihren Durchlaufzahlen abhängt, werden die einzelnen Tötungs- und Verarbeitungsschritte auf verschiedene kleine, klar voneinander getrennte und durch ein enormes Produktionstempo charakterisierte Arbeitseinheiten verteilt, sodass die Tiere moderne Schlachtbetriebe nicht selten schon dreissig Minuten nach ihrer Anlieferung in Form verkaufsbereiter Fleischprodukte wieder verlassen.
Die enormen Schlachtleistungen bringen aber auch eine Reihe von Problemen mit sich. In der Praxis rückte dabei vor allem der Gesichtspunkt der Fleischqualität in den Vordergrund, da bald einmal erkannt wurde, dass diese durch den hektischen und für die Tiere belastenden Schlachtablauf nachhaltig vermindert wird (insbesondere das Fleisch verängstigter oder verletzter Schweine weist einen deutlich erhöhten Gehalt an Stresshormonen auf, was die Qualität beeinträchtigt). Daneben kommt aber beispielsweise auch dem Aspekt der sog. Fleischhygiene grosse Bedeutung zu. Um Fleischverunreinigungen zu vermeiden, müssen sämtliche der eigentlichen Schlachtung nachgelagerten Arbeitsschritte sorgfältig ausgeführt werden. Fleisch gilt letztlich nur als zum Verzehr geeignet und den Erwartungen der Konsumenten entsprechend, wenn es nicht mit Haaren, Harn, Kot, Magen- und Darminhalt, Galle, Eiter oder anderweitig verschmutzt ist und daher eine erhöhte Keimbelastung aufweist. Die Aufgabe der Schlachthygiene ist es daher, die Übertragung von Mikroorganismen aus der Umwelt und von unreinen Tierkörperteilen auf das für den menschlichen Verzehr bestimmte Fleisch so gering wie möglich zu halten. Wichtig sind ausserdem auch der Arbeitsschutz und die Betriebssicherheit, da jede Schlachtung infolge der gefährlichen Gerätschaften und der Unberechenbarkeit der Tiere für das beauftragte Personal erhebliche gesundheitliche Risiken in sich birgt.
Sowohl auf ausführende Personen als auch auf Zuschauer hat der Schlachtablauf letztlich natürlich auch einen beträchtlichen emotionalen Effekt. In diesem Zusammenhang muss jedoch bedacht werden, dass gerade einige der tauglichen Betäubungs- und Tötungsmethoden besonders unschön anzusehen sind (so etwa die archaisch wirkende Betäubung durch den sog. Bolzenschuss), während andere, unter tierschützerischen Gesichtspunkten teilweise völlig ungeeignete Verfahren vielen Betrachtern weit humaner erscheinen. Exemplarisch sei hierzu auf die Injektion peripher wirkender Muskelrelaxantien verwiesen.
Bedienung
Ausführlichkeit
Qualitätsanspruch
Radikal für die Tiere
Wertschätzung
Lustfaktor
Nicht bewertet