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>> Tierschutz / Einzelne Problembereiche / Landwirtschaftl. Nutztiere / Moderne Intensivtierhaltung / Industrielle Haltungssysteme

Allgemeines

Den zweiten Wendepunkt in der Geschichte der landwirtschaftlichen Tiernutzung, der für die Tiere und deren Umgebung erneut mit drastischen - diesmal gar noch folgenschwereren – Veränderungen verbunden war, bildet der Zeitraum vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Im Zuge des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs der Nachkriegsjahre stieg die Nachfrage nach Fleisch und anderen tierlichen Erzeugnissen infolge des zunehmenden Wohlstands in den europäischen Staaten rasch an. Während beispielsweise in der Schweiz 1950 pro Kopf etwa 20 Kilogramm Schweinefleisch verzehrt wurden, waren es 1983 bereits 43 Kilogramm (in den achtziger Jahren haben sich die Werte dann konsolidiert). Die enormen Mengen liessen sich bald nur noch mittels besonders rationeller Produktionsmethoden erzeugen, was zu einer grundlegenden Industrialisierung des gesamten Agrarbereichs führte, die von den Vereinigten Staaten aus über Grossbritannien den europäischen Kontinent erreichte und die Haltung von Nutztieren aller Gattungen ab den fünfziger Jahren einem radikalen Wandel unterwarf. In den USA begann die Industrialisierung der Nutztierhaltung bereits in den zwanziger Jahren mit der Inbetriebnahme der 1911 entwickelten Legehennenbatterien für Zehntausende von Hühnern.

Während der Stellenwert tierlicher Arbeitskraft infolge des voranschreitenden Mechanisierungs- und Motorisierungsgrads der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten zusehends abnahm, wuchs die Bedeutung der Tierproduktion für den Lebensmittelsektor kontinuierlich. Entsprechend rasch verbreitete sich die sog. Intensivtierhaltung (oftmals auch Massentierhaltung genannt), die nach den als unabdingbarer Fortschritt propagierten Gesetzmässigkeiten der industriellen Güterproduktion erfolgte, wonach nur eine möglichst billige Erzeugung die Wettbewerbsfähigkeit gewährt. Im Laufe der Zeit wurden daher verschiedenste Zeit, Raum und Kosten sparende sowie vorwiegend automatisierte Systeme entwickelt, in denen möglichst viele Tiere gezüchtet, gehalten und verarbeitet werden können. Damit verbunden waren ein enormer Zuwachs der Bestände bei immer kleineren Flächen pro Einzeltier sowie eine erhebliche Reduzierung des betreuenden Personals (so versorgt bzw. überwacht in modernen Mastbetrieben eine einzige Arbeitskraft bis zu 1000 Schweine oder 100'000 Hühner).

Neben erheblichen Platz- und Arbeitsersparnissen prägen geschlossene und fensterlose Räume, ein oftmals hoher Lärmpegel (von Tieren, vor allem aber auch von Fütterungs- und anderen Maschinen, Belüftungsanlagen etc. verursachte Geräusche) sowie eine stetig fortschreitende Technisierung die industrielle Nutztierhaltung. Der Betrieb von Beleuchtungs-, Klima- und Belüftungsanlagen erfolgt dabei ebenso computergesteuert wie die Versorgung der Tiere mit bis ins Detail auf ihre Nährstoffbedürfnisse abgestimmten Futtermitteln. Zusammen mit verschiedenen züchterischen Massnahmen wurden durch diese grundlegenden Veränderungen noch einmal enorme Leistungssteigerungen erreicht. So waren in den letzten fünfzig Jahren in der Milch- und Eierproduktion Zuwachsraten von rund 70 bzw. mehr als 80 Prozent und in der Fleischerzeugung je nach Tierart und Rasse von bis zu 100 Prozent zu verzeichnen. Exemplarisch sei hierzu auf die industrielle Eierproduktion verwiesen, wobei die Legeleistung von Zuchthühnern 1950 jährlich noch etwa 170 Eier betrug, derweil moderne Tiere heute im selben Zeitraum rund 300 Eier legen (Wildhühner legen im Vergleich dazu lediglich rund 60 Eier pro Jahr). Ähnliche Ertragszunahmen sind auch in der Geflügelfleischindustrie zu verzeichnen: 1960 erreichten Masthühner nach 56 Tagen ein Schlachtgewicht von 1200 Gramm, während dieser Wert heutzutage bereits in rund der Hälfte der Zeit erzielt wird. Weltweit betrachtet hat sich die gesamte Fleischproduktion zwischen 1950 und 1990 gar vervierfacht.

Für die eingesetzten Tiere führten die neuen Produktionssysteme zu einer radikalen Umstellung ihrer Lebensweise. Entgegen der zuweilen geäusserten Auffassung, wonach Wildtiere durch die Domestikation ihre artspezifischen Merkmale wesentlich verändern würden, sind die urtypischen Instinkte moderner Nutztiere (und somit auch ihre Anforderungen an die Umwelt) trotz einer allfälligen Modifikation ihres Phänotyps (der Gesamtheit der durch die Einflüsse von Umwelt und Erbgut sichtbar gewordenen Merkmale eines Lebewesens, d.h. also sein äusseres Erscheinungsbild) nahezu unverändert geblieben. Dass das Verhalten von Haustieren und ihre biologischen Anforderungen an ihre Umwelt durch die Domestikation nur unwesentlich verändert wurden, zeigt sich etwa bei Hausschweinen, die in freier Natur oder unter naturnahen Haltungsbedingungen ein reichhaltiges, an ihre Umwelt angepasstes Verhalten zeigen, und beispielsweise ein Geburtsnest für das Absetzen der Ferkel bauen. Auch in Käfigen gehaltene Legehennen zeigen noch immer das gleiche natürliche Verhalten wie ihre Vorfahren, die
Bankivahühner, und verwildern, wenn man sie in die Wildnis aussetzt, wo sie sich erfolgreich fortzupflanzen und ihre Art zu erhalten vermögen. Generell machen Veränderungen des Phänotyps (etwa zunehmend grössere Euter bei Milchkühen) die Tiere für die Haltung nicht geeigneter, sondern führen im Gegenteil zu höheren Haltungsanforderungen.

Im Gegensatz zur biologisch orientierten traditionellen Landwirtschaft, in der während Jahrhunderten technische Hilfsmittel nach dem "Grundsatz von Versuch und Irrtum" entwickelt und an die biologischen sowie artspezifischen Bedürfnisse der Tiere angeglichen wurden, beruhen moderne Betriebe in erster Linie auf ökonomischen Prinzipien. Die Tiere werden hierbei gezwungen, sich an die verschiedenen Systeme und technischen Einschränkungen anzupassen. Nicht genetisch, sondern haltungsbedingt - d.h. gewaltsam - wird das natürliche Verhaltensrepertoire von Nutztieren somit weitgehend auf die für eine maximale Produktionsleistung dienlichen Handlungen verringert. Viele der meist bewegungs- und kontaktfreudigen Nutztiere - deren individuelle Bedeutung immer mehr zugunsten des Gesamtbestands verloren geht – werden dabei gezwungen, ihr gesamtes Leben in vollständiger Reizarmut, unter fehlenden Sozialstrukturen und ohne jegliche Abwechslung (d.h. ohne Nahrungssuche, Erkundungsmöglichkeiten, Wechsel im Tages- und Jahreszeitrhythmus etc.) zu verbringen. Nicht selten wird ihre Umwelt dabei auf ein Minimum und die Deckung artspezifischer Bedürfnisse bei voll angelegten Sinnesempfindungen auf die blosse Futteraufnahme, Verdauung und ein möglichst schnelles Wachstum reduziert.

Erfreulicherweise haben Landwirtschaftskreise und Grossverteiler das Bedürfnis von Konsumentinnen und Konsumenten nach tiergerechter produziertem und geschlachtetem Fleisch erkannt. Sog. "Labels" bieten die Möglichkeit, bewusst Produkte und Dienstleistungen mit einem Mehrwert für die Tiere, aber auch für die Umwelt, die eigene Gesundheit, für Beschäftigte in der Schweiz und in Entwicklungs- und Schwellenländern zu kaufen. Konsumentinnen und Konsumenten unterstützen mit dem Kauf von Labelprodukten bestimmte Zusatzleistungen der Unternehmen und beeinflussen dadurch den Markt, etwa in Richtung Tierschutz. Da sich auch Schweizer Grossverteiler dieser Entwicklung gestellt haben, lebt eine grosse Anzahl landwirtschaftlicher Nutztiere hierzulande unter Haltungsbedingungen, die mehr oder weniger stark die Minimalanforderungen der Tierschutzgesetzgebung übersteigen.

Nicht zu verkennen ist allerdings die teilweise leider bestehende Unklarheit im Labelbereich. Mehrere hundert Labels verschiedener Ausrichtung teilen sich heute den Schweizer Markt, sodass einer objektiven Verbraucherinformation grosse Bedeutung zukommt. Im Bereich der Ernährung / Landwirtschaft bieten etwa die Informationsstelle für Umwelt- und Soziallabels (siehe www.labelinfo.ch) oder andere Konsumentenschutzorganisationen praxisorientierte Übersichten über die Gütesiegel auf dem Schweizer Markt.


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Argumentarium Nutztiere - Vegetarismus
Argumentationshilfe und Stellungnahme der Stiftung für das Tier im Recht
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Essen mit Herz
STS - Wer auf den Fleischkonsum nicht verzichten möchte, soll wöchentlich immerhin nicht mehr als zwei bis vier Fleischportionen à 80 g bis 120 g verzehren, meinen führende Ernährungswissenschafter. Wer überdies bloss Bioprodukte, Freilandeier und Labelfleisch einkauft, entlastet sogar das Haushaltbudget gegenüber dem durchschnittlichen Fleischkonsumenten, der mehr als 50 kg Fleisch pro Jahr isst
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Heft Nutztierhaltung 1999
Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung IGN - Auswirkungen einer erhöhten Besatzdichte bei Legehennen; Einfluss des Managementsystems auf Wurfgrösse und Gewichtzunahme der Lämmer; partielles Zähnekneifen bei Saugferkeln; geruchliches Bewusstsein (Schlachthöfe und Transportfahrzeuge sollten gut gereinigt und ventiliert sein)
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Holocaust Analogie
PETA - Danach sei es "nur ein kleiner Schritt vom Töten von Tieren zum Bau von Gaskammern à la Hitler und Konzentrationslagern à la Stalin" - fragwürdige Gleichsetzung von Schlachthöfen und Gaskammern
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Industrialisierte Tierhaltung - Die Realität für Tiere in der Landwirtschaft
Deutsche Akademie für Tierschutz - Um die Produktionskosten der landwirtschaftlichen Tierhaltung gering zu halten, sind neuzeitliche Haltungssysteme eingeführt worden, die weitgehend auf eingestreute Liege- und Laufflächen verzichten. Die Tiere werden auf engstem Raum und in reizarmer, unstrukturierter Umgebung gehalten. In solchen Haltungssystemen sind die Tiere in ihrer Bewegungsmöglichkeit erheblich eingeschränkt, z. T. können sie sich nicht einmal umdrehen
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