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>> Tierschutz / Einzelne Problembereiche / Landwirtschaftl. Nutztiere / Moderne Intensivtierhaltung / Folgen / Auswirkungen auf die Tiere / Weitere Auswirkungen

Ökonomische Aspekte

Die Methoden der modernen Tierproduktion haben auch einen grundlegenden Strukturwandel des Agrarbereichs und die kontinuierliche Verdrängung der klassischen kleinbäuerlichen Viehwirtschaft zur Folge. Die Aufteilung der Produktion in verschiedene Stufen (Zucht, Jungtieraufzucht, Zwischenmast, Endmast, Schlachtung, Verarbeitung und Vermarktung) bedeutet eine zunehmende Verlagerung vom vielseitigen Traditionsbetrieb mit verschiedenen Tierarten zum auf einen einzigen Fabrikationsabschnitt bzw. eine Art oder gar nur eine bestimmte Altersgruppe spezialisierten und daher weit effizienteren Grossbetriebe mit enormen Bestandszahlen. In Deutschland umfasst jeder vierte Schweinemastbetrieb mehr als tausend Tiere, in Frankreich, Belgien und Dänemark bereits jeder zweite und in Grossbritannien und Irland sogar 75 bzw. 87 Prozent der Betriebe. Die grösste Schweinedichte weisen jedoch die Niederlande auf, wo mit 14 Millionen nahezu so viele Schweine wie Menschen leben und in Hunderten hoch spezialisierten Betrieben jeweils 10'000 oder noch mehr Tiere gehalten werden. Von den jährlich etwa 24 Millionen gezüchteten Ferkeln exportiert das weltweit drittgrösste Agrarausfuhrland rund zwei Drittel.

Die Folge dieser Konzentration ist nicht nur das Entstehen weit reichender gegenseitiger Abhängigkeiten, sondern vor allem auch das Verschwinden vieler Kleinbetriebe, die dem zunehmenden Wettbewerbsdruck nicht standzuhalten vermögen. So ist beispielsweise in Deutschland im Zeitraum zwischen 1970 und 1990 die Zahl der Schweinehaltungsbetriebe von über einer Million auf rund 330'000 zurückgegangen, während sich der durchschnittliche Bestand gleichzeitig von zwanzig auf mehr als siebzig Tiere erhöht hat. Bei den Legehennenbetrieben hat sich die Anzahl zwischen 1975 und 1996 von über 600'000 auf rund 170'000 verringert. Ähnliche Tendenzen sind in der Schweiz zu beobachten, wo sich der Schweinebestand in den letzten hundert Jahren auf über zwei Millionen vervierfacht hat, während die Zahl der Halter drastisch abnahm (1911 fielen auf jeden Schweinehalter durchschnittlich rund vier Tiere, 1988 waren es über 66).

Auch der Rindviehbestand verdreifachte sich hierzulande in den letzten hundert Jahren nahezu, während die Zahl der Halter deutlich zurückging. Die Spezialisierung führt im Übrigen auch dazu, dass der vormals umfassende Kenntnisschatz des einzelnen Landwirts über das Verhalten und die Bedürfnisse verschiedener Nutztiere zunehmend einem auf eine bestimmte Tierart begrenzten Fachwissen weicht.

Dies alles führt schliesslich auch zu einem unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten bedrohlichen Verlust an Arbeitsplätzen, die man sukzessiv durch rationelle Produktionssysteme ersetzt (so werden in der heutigen Agrarwirtschaft rund fünfmal weniger Personen beschäftigt als noch vor vierzig Jahren). Im gesamten EU-Raum schliessen jährlich etwa 350'000 bäuerliche Betriebe (d.h. alle zwei Minuten einer) mit rund 500'000 Arbeitsplätzen zugunsten der industriellen Tierproduktion. In Deutschland ist die Gesamtzahl landwirtschaftlicher Betriebe zwischen 1950 und 1990 von 1,6 Millionen auf rund 630'000 gesunken (1990 mussten täglich 52 deutsche Landwirte ihren Betrieb schliessen).


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