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>> Tierschutz / Einzelne Problembereiche / Landwirtschaftl. Nutztiere / Moderne Intensivtierhaltung / Folgen / Auswirkungen auf die Tiere / Weitere Auswirkungen

Gesundheitliche Aspekte

Der Umstand, dass ein übermässiger Konsum eiweisshaltiger Nahrung Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Fettsucht, Allergien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs entscheidend fördert, ist seit langem ebenso hinreichend bekannt wie die Tatsache, dass die durchschnittliche Erkrankungsrate bei verschiedensten Krankheiten (wie etwa Magen- und Darmkrebs) und das Herzinfarkt-, Brustbrust- oder Prostatakrebsrisiko bei Fleischessern weit höher liegt als bei Vegetariern. Durch die Intensivtierhaltung wird die menschliche Gesundheit aber noch zusätzlich beeinträchtigt, da die modernen Produktionsmethoden zunehmend minderwertige, schadstoffbelastete oder sogar verseuchte Nahrungsmittel hervorbringen. In diesem Zusammenhang ist etwa an zucht- und haltungsbedingte Qualitätsmängel bei Schweinefleisch zu denken (sog. PSE-Fleisch). Mit importiertem Mastfutter produziertes Fleisch gilt als das am höchsten pestizidbelastete Nahrungsprodukt, da Schädlingsbekämpfungsmittel (wie etwa das die Umwelt stark belastende und sich besonders in fettreichem Gewebe - unter anderem also auch in der Muttermilch - anreichernde DDT, dessen Anwendung in den europäischen Staaten nur in Ausnahmefällen gestattet ist) in Entwicklungsländern beim Getreideanbau noch immer in grossen Massen verwendet werden. In Fleischprodukten sind daher bis zu 55 Prozent aller – teilweise krebserregenden - Pestizide angereichert. Rund 80 Prozent der Lebensmittelvergiftungen (deren Häufigkeit sich in den letzten Jahren vielerorts vervielfacht hat) sind heutzutage auf Fleisch- und nahezu die gesamten restlichen 20 Prozent auf Milchprodukte zurückzuführen.

Wie eng der Zusammenhang zwischen Tier- und Verbraucherschutz ist, illustrieren die zahlreichen Skandale, welche die moderne Tierproduktion in den letzten Jahren zunehmend ins Blickfeld der öffentlichen Kritik gerückt, die Konsumenten verunsichert und das Ansehen der Landwirtschaft massiv erschüttert haben. Grosse Besorgnis verursachen dabei jedoch bezeichnenderweise erst jene Berichte, die belegen, dass die modernen Mast- und Haltungsmethoden nicht nur die Gesundheit der Tiere, sondern auch diejenige des Menschen gefährden. Zu denken ist hierbei etwa an die regelmässig wiederkehrenden Schlagzeilen über den Einsatz von Hormonen in der Kälbermast, mit Salmonellen kontaminierte Geflügelprodukte oder die Vorkommnisse rund um die allgemein als "Rinderwahnsinn" bekannt gewordene Infektionskrankheit Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE). Dabei handelt es sich um eine tödliche Hirnerkrankung bei Rindvieh, die durch sog. Prionen übertragen wird und sich anfangs in Leistungsabnahme, unkontrollierten Bewegungen, Lähmungserscheinungen sowie auffälligen Verhaltensstörungen wie Schreckhaftigkeit und Aggressivität äussert und in einem direkten Zusammenhang zu einer atypischen Form der menschlichen Hirnschwammkrankheit Creutzfeldt-Jakob (vCJD) steht. Diese stellt ihrerseits eine tödliche Hirnerkrankung dar, die ähnlich wie BSE das Gehirn der Betroffenen schwammartig zerlöchert (eine Infektion äussert sich zunächst in Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen sowie Schlaflosigkeit und führt anschliessend zu rasch fortschreitender Demenz) und kann durch den Konsum von BSE-Fleisch verursacht werden. Als Hauptinfektionsquelle von BSE gilt kontaminiertes, aus Kadavern und Schlachtabfällen hergestelltes Tiermehl, das den Pflanzen fressendem Rindvieh als eiweisshaltige Leistungssteigerer verfüttert wurde (auf diese Weise hat man die Tiere ausserdem zu widernatürlichem Kannibalismus gezwungen). Der Skandal um den Rinderwahnsinn warf Mitte der neunziger Jahre neben gesundheitlichen Bedenken bezüglich der Sicherheit der erzeugten Lebensmittel daher auch die Frage nach der Vertretbarkeit moderner Fütterungsmethoden auf.

Der massive Einsatz von Medikamenten und Leistungsförderern bewirkt bei vielen Krankheitserregern ausserdem die zunehmende Entwicklung von Resistenzen, was auch für den Menschen bedrohliche Folgen haben kann, da Krankheiten mittels herkömmlichen Antibiotikatherapien nicht mehr behandelt werden können. Beim Einsatz von Antibiotika werden nicht nur Bakterien im Darmbereich der Tiere abgetötet, sondern bei längerer Anwendung neue Bakterienstämme erzeugt, die gegen das eingesetzte Antibiotikum resistent sind. Da die erworbene genetische Information der Widerstandsfähigkeit auch auf Krankheitskeime übertragen werden kann, sind die Therapiemöglichkeiten bei der Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten in der Human- und Tiermedizin schon heute teilweise beträchtlich eingeschränkt. Besonders heikel ist hierbei der Umstand, dass Bakterien, die gegen ein bestimmtes Antibiotikum resistent sind, die Fähigkeit aufweisen, die Resistenz weiterzuentwickeln (sog. Kreuzresistenz), sodass sie auch mit ähnlich wirkenden Medikamenten nicht mehr bekämpft werden können.

Mit den Methoden der industriellen Tierproduktion ist letztlich auch eine Verschlechterung der Arbeitsqualität für das beauftragte Personal verbunden. Der Mensch wird zwar immer mehr von körperlicher Arbeit entlastet, bei seiner Tätigkeit in modernen Haltungssystemen jedoch vermehrt schädlichen Einflüssen wie Staub, Schadgasen oder Krankheitserregern ausgesetzt. So sollen beispielsweise gemäss amerikanischen Untersuchungen rund 70 Prozent aller Schweinehalter an Bronchitis und 12 Prozent an Asthma leiden.


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