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Ernährungspolitische Aspekte
Da Nutztiere als Folge der Veredelung von Fleischprodukten gewissermassen zu direkten Nahrungsmittelkonkurrenten des Menschen werden, ist die in den Industriestaaten betriebene Massentierhaltung auch im Lichte der globalen Hungerproblematik zu betrachten. Zur Aufrechterhaltung des Stoffwechsels der Tiere (bzw. um ihre volle Produktionsleistung zu erreichen) wird für die kontinuierlich wachsenden Bestände immer mehr energiereiche Nahrung benötigt, weshalb der Anbau pflanzlicher Futtermittel gesteigert werden muss (in Deutschland hat sich die Futtermittelerzeugung im Zeitraum von 1960 bis 1990 bei Getreide um 100 Prozent und bei Silo- und Körnermais gar um 2200 bzw. 7900 Prozent erhöht). Dies bedeutet wiederum einen enormen Bedarf an nicht erneuerbaren Energien und Trinkwasser sowie den grossflächigen Einsatz weiterer Düngemittel und Pestizide. So könnten beispielsweise mit der zur Erzeugung eines Kilogramms Rindfleisch benötigten Menge fossiler Brennstoffe rund vierzig Kilogramm Sojabohnen bzw. mit dem dafür notwendigen Wasser etwa hundert Kilogramm Getreide oder Gemüse produziert werden.
Für die Gewinnung einer einzigen tierlichen Kalorie werden hingegen rund zehn pflanzliche benötigt, sodass ein Rind etwa zehn Kilogramm Getreide fressen muss, um ein Kilogramm Gewicht zuzulegen. Jährlich werden daher rund 600 Millionen Tonnen Getreide an Nutztiere verfüttert (beispielsweise jedes Jahr 90 Millionen Tonnen Soja, während nur gerade 5 Prozent der Gesamtproduktion direkt der menschlichen Ernährung zugeführt wird), was nahezu der Hälfte der gesamten Welternte entspricht. In den Industrienationen beträgt der entsprechende Anteil sogar über zwei Drittel. Insgesamt werden weltweit allein für die Rindviehmast Futtermengen verbraucht, die annähernd den doppelten Nahrungsenergiebedarf der menschlichen Weltbevölkerung decken würden. Angesichts des globalen Nahrungsmangels - weltweit leiden 1,3 Milliarden Menschen an Unterernährung und sterben jedes Jahr fünfzig Millionen an Hunger bzw. den Folgekrankheiten - kommt dies einer enormen Verschwendung pflanzlicher Ressourcen gleich. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den weltweiten Fischereierträgen und Molkereiprodukten, die zu 40 bis 50 Prozent bzw. zu 25 bis 40 Prozent als Tierfutter verwendet werden. Würden die Bevölkerungen der Industrienationen ihren Fleischkonsum lediglich um 10 Prozent reduzieren, könnten durch frei werdendes Land, Wasser und die eingesparte Energie bereits rund 100 Millionen Menschen ernährt werden.
Zumindest theoretisch könnte man mit dem für die Tierproduktion verwendeten Getreide ausserdem gegen 2,5 Milliarden Menschen ernähren. Da Hunger heute vor allem eine Folge von Armut ist, lässt sich jedoch nicht einfach sagen, dass das eingesparte Getreide automatisch den bedürftigen Menschen zur Verfügung stünde. Bereits die momentane Nahrungsmittelproduktion würde durchaus für die ganze Weltbevölkerung ausreichen, das Problem ist vielmehr die sehr ungleiche Verteilung der Ressourcen.
Letztlich werden Entwicklungsländern wichtige Rohstoffe entzogen, indem man sie mit finanziellen Anreizen dazu verleitet, ihre Agrarflächen für die Produktion von Futtermitteln für die Viehwirtschaft der westlichen Industriestaaten statt für die Deckung des Nahrungsbedarfs der einheimischen Bevölkerung zu nutzen. So bezieht beispielsweise die Europäische Union rund 60 Prozent ihrer Futtermittel aus Entwicklungsländern und werden etwa in Brasilien mehr als zehn Millionen Hektar Land nicht für die einheimische Nahrungsmittelversorgung, sondern für den Anbau von nach Europa und Japan exportiertem Sojaschrot verwendet.
Links zu diesem Thema
BLW Ausführungsbestimmungen zur Agrarpolitik 2007
Verordnungspaket 2007 - Direktzahlungen, Strukturverbesserung, soziale Begleitmassnahmen, Beratung Produktionsmittel, allgemeine wirtschaftliche Bestimmungen, Pflanzenbau, Tierproduktion (Milch und Fleisch), Entsorgung Schlachtabfälle, TVD
Industrialisierte Tierhaltung - Die Realität für Tiere in der Landwirtschaft
Deutsche Akademie für Tierschutz - Um die Produktionskosten der landwirtschaftlichen Tierhaltung gering zu halten, sind neuzeitliche Haltungssysteme eingeführt worden, die weitgehend auf eingestreute Liege- und Laufflächen verzichten. Die Tiere werden auf engstem Raum und in reizarmer, unstrukturierter Umgebung gehalten. In solchen Haltungssystemen sind die Tiere in ihrer Bewegungsmöglichkeit erheblich eingeschränkt, z. T. können sie sich nicht einmal umdrehen
Massentierhaltung
Animal Protection Deutschland - Das Leben auf dem "Bauernhof" ist nicht mehr das, was es einmal war. Die Massentierhaltung der modernen Landwirtschaft strebt danach, eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und billig wie möglich zu produzieren, und das bei minimaler Platzanforderung. Folgen
Schweizer Bauer
Aktuelle Informationen zur Agrarpolitik aus Sicht der organisierten Landwirtschaft
Swiss Angus
Vereinigung der Schweizer Anguszüchter - Beste Mutterkuheigenschaften, tiefe Produktionskosten. Durch die Frühreife und die kurzen Zwischenkalbezeiten sind Anguskühe besonders wirtschaftlich. Zudem müssen sie nicht enthornt werden: Sie sind hornlos