Insbesondere bei Geflügel werden entsprechende Eingriffe routinemässig vorgenommen, wobei das Spektrum vom Kupieren der Flügel und Schnäbel (um das Fliegen und gegenseitige Bepicken zu verhindern) bei nahezu allen Arten bis hin zum Amputieren der Kämme, Sporen, Zehen und Krallen bei Hähnen reicht. Vor allem Legehennen wird bereits zehn Tage nach der Geburt der Schnabel abgekniffen oder mit einem heissen Messer gekürzt. Geflügel wird darüber hinaus noch anderen - zwar nicht operativen, ihr Wohlbefinden jedoch ebenfalls erheblich beeinträchtigenden - Manipulationen unterworfen, wobei namentlich an die bei Legehennen vorgenommene sog. Zwangsmauser zu denken ist, die für die Tiere einen radikalen Eingriff bedeutet. In der Regel wird ihnen hierfür Zink ins Futter gemischt, um die Zeit der Erneuerung des Federkleids - während der sie keine Eier legen - zu verkürzen oder in den Sommer zu verlegen, wenn die Nachfrage nach Eiern geringer ist. Weitere Massnahmen sind etwa das Anlegen von sog. Antipick-Geräten wie Brillen, Schnabelringen oder Augenlinsen bei Legehennen, Perlhühnern, Fasanen etc.
Verschiedene chirurgische Eingriffe werden auch bei Ferkeln durchgeführt, denen man meist schon am ersten Lebenstag die Eckzähne heraus kneift bzw. abschleift sowie wenige Tage später die Schwänze kürzt, um Gesäugeverletzungen und Schwanz- bzw. Ohrenbeissereien zuvorzukommen. Das prophylaktische Schwanzkupieren wird ebenfalls bei Mastbullen praktiziert, um Schwanzspitzennekrosen entgegenzutreten. Rindvieh und Schweinen wird der Schwanz bisweilen auch mit elastischen Gummiringen abgebunden, bis er langsam abstirbt und abfällt. Seit einiger Zeit wird Rindvieh ausserdem auch enthornt, wobei der Eingriff zuerst als Mittel zur Reduktion des Verletzungsrisikos für Artgenossen und Pflegepersonal bei der (begrüssenswerten) Laufstallhaltung diente, mittlerweile jedoch zunehmend generell durchgeführt wird. Auch werden Rindern Schmerzen verursachende Metallringe durch das Zungenbändchen gezogen, um die Tiere am Zungenschlagen zu hindern. In der Vergangenheit hat man gar schon erwogen, Kälbern, die fremden Artgenossen die Milch aussaugen, einen Teil der Zunge operativ zu entfernen.
Solange sie ausschliesslich einer einfacheren Haltung der Tiere durch deren Anpassung an moderne Systeme dienen, sind chirurgische Eingriffe unter tierschützerischen Gesichtspunkten grundsätzlich abzulehnen. Es liegt auf der Hand, dass durch mehr Platzangebot und eine artgerechtere Haltung innerartliche Aggressionen weitgehend vermeidbar und die Eingriffe somit überflüssig wären. Auch sind die chirurgischen Massnahmen häufig mit Stress und grossen Leiden verbunden, zumal sie in aller Regel ohne Narkose und auch sonst bei weitem nicht immer fachgerecht durchgeführt werden. Dies, obschon die zuweilen vertretene Auffassung, dass das Schmerzempfinden bei Jungtieren noch nicht voll entwickelt sei, längst wissenschaftlich widerlegt wurde. So etwa stellt der Schnabel von Geflügel ein sensibles und von Nerven versorgtes Tastorgan dar, dessen Beschneiden den Tieren schwere Schmerzen verursacht und zu Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme und Gefiederpflege führt. Zudem kommt es vor, dass die Tiere ihren Schnabel nicht mehr richtig schliessen können.
Ähnliche Schwierigkeiten treten beim Absägen oder -brennen der Hörner von Rindvieh auf. Vor dem Hintergrund verschiedener Untersuchungen empfehlen Experten, auf die Enthornung - die überdies auch ernste Konsequenzen für das Ranggefüge in einer Herde hat - zu verzichten, da Rinderhörner gut durchblutete und von Nerven versorgte Organe sind. So zeigen Kälber während und nach der thermischen Zerstörung der Hornanlage erhebliche Schmerzäusserungen. Beim Absägen der Hörner treten zudem oft starke Blutungen auf, die dann durch das Verbrennen der Wundfläche gestoppt werden, wobei der Heilungsprozess sehr schmerzhaft ist und mehrere Monate dauern kann.
Ähnlich problematisch sind das Kürzen der Schwänze und Abkneifen der Eckzähne bei Schweinen. Beide Eingriffe sollten nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden, da sie zu schweren Verletzungen (etwa zu Entzündungen der Pulpahöhle und des Zahnfleischs) führen können. Ähnliches gilt für das Einsetzen schmerzhafter Nasenringe und Rüsselklammern bei Schweinen, womit man verhindern will, dass die Tiere auf der Weide die Grasnarbe allzu schnell zerstören. Schmerzhaft ist letztlich auch das Kastrieren männlicher Ferkel, mit dem man die Entwicklung des markanten Ebergeruchs im Fleisch der Tiere vermeiden will. Allein in der Schweiz werden jährlich rund 1,35 Millionen Ferkel ohne Narkose kastriert, wobei insbesondere beim Durchtrennen des Samenstrangs intensive Schmerzäusserungen offensichtlich sind. In den ersten Tagen nach dem Eingriff ist bei den Tieren ausserdem eine verminderte Aktivität zu beobachten, die dahingehend interpretiert wird, dass sie sich schonen, um von den Wunden herrührende Schmerzen zu vermeiden.
Nicht zuletzt stellen die Eingriffe gravierende Verletzungen der Integrität und Würde der Tiere dar, da Schnäbel, Hörner und Schwänze nicht nur Art- und Rassemerkmale, sondern auch Bestandteile ihrer unversehrten Ganzheit darstellen.
Bedienung
Ausführlichkeit
Qualitätsanspruch
Radikal für die Tiere
Wertschätzung
Lustfaktor
Nicht bewertet