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Vermehrter Arzneimitteleinsatz

Die durch die Methoden der modernen Agrarproduktion verursachte drastische Zunahme von Tierschäden und -erkrankungen hat - sowohl im Rahmen der Mast als auch später beim Transport zum Schlachthof - zu einem verstärkten Einsatz von Medikamenten geführt. Da sich Infektionskrankheiten in Massenställen infolge der hohen Besatzdichten sowie mitunter ungenügenden hygienischen Bedingungen rasch verbreiten und enormen Schaden anrichten können, werden den Tieren regelmässig - und nicht selten illegalerweise - Antibiotika bzw. zunehmend auch Chemotherapeutika verabreicht. Insgesamt findet mindestens die Hälfte der Weltproduktion von Antibiotika in der Nutztierproduktion Anwendung, wobei schätzungsweise zwei Drittel der Präparate illegal über den sog. "grauen Arzneimittelmarkt" umgeschlagen werden. Seit einigen Jahren treten ausserdem regelmässig Pressemeldungen über den verbotenen Einsatz von Hormonen als Leistungsförderer (insbesondere in der Kälbermast) auf, was den Tier- und Verbraucherschutz in gleicher Weise tangiert.

Der Einsatz von Arzneimitteln dient aber nicht nur der prophylaktischen und therapeutischen Behandlung von Erkrankungen; oftmals wird damit auch eine Verhaltensbeeinflussung (insbesondere die Überwindung von Angst- und Fluchtzuständen bzw. die Dämpfung aggressiven Verhaltens) und nicht selten eine schnellere Gewichtszunahme der Tiere bezweckt. So werden vor allem in der Kälbermast dem Futter beigemischte Leistungsförderer eingesetzt, die zu einer Wachstumssteigerung bei gleichzeitiger Reduktion des Futteraufwands führen. Leistungsförderer mit meist antibakterieller Wirkung beschleunigen insbesondere das Wachstum von Kälbern, Ferkeln und Küken, da sie eine Steigerung der Futterverwertung bewirken (bei Hühnern haben sie ausserdem eine bessere Legeleistung zur Folge).

Oftmals werden die Arzneimittel routinemässig verwendet, ohne dass man gleichzeitig Massnahmen trifft, um die krankheitserregenden Umwelteinflüsse zu beseitigen. Wohl verringern die Medikamente die Leiden der Tiere, sie führen aber vor allem auch dazu, dass die herkömmlichen Produktionsmethoden nicht geändert werden müssen. Die Belastungsgrenze der Tiere wird im Gegenteil insgesamt höher, was letztlich zur Folge hat, dass man ökonomischen Überlegungen im Rahmen der Haltung weiter gerecht werden kann, ohne übermässige finanzielle Risiken durch Tierverluste zu erleiden. Wenngleich es vielen Anwendern am entsprechenden Problembewusstsein fehlt, ist die in der Praxis übliche Dauermedikation aus tierschützerischer Sicht klar zu verurteilen. Einerseits ist sie mitnichten geeignet, den Tieren ein Wohlbefinden zu garantieren, und anderseits bei einer artgerechten Haltung ebenso überflüssig wie chirurgische Eingriffe. Dasselbe gilt auch für den Einsatz von Psychopharmaka zur Beruhigung der Tiere (so liesse sich insbesondere bei der Haltung und beim Transport stressempfindlicher Schweine auf Neuroleptika zurückgreifen, deren beruhigende Wirkung ein akutes Herzversagen genauso verhindert wie transportbedingte Gewichts- und Fleischqualitätsverluste). Medizinische Massnahmen dürfen nicht routinemässig angewandt werden, um unzureichende Haltungs- oder Zuchtmethoden prophylaktisch zu kompensieren bzw. die Tiere an moderne Systeme anzupassen, sondern müssen vielmehr ausschliesslich für kranke Tiere reserviert sein.


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