Kein Säugetier weist eine derartige Variabilität auf wie der Hund, der damit zum Sinnbild eines anscheinend grenzenlosen Experimentierfelds für abnorme Rassestandards geworden ist: Das weite Spektrum reicht von zwergwüchsigen Tieren (wie Yorkshire Terriern, Zwergpudeln und Chihuahuas) bis hin zu eigentlichen Riesenhunden (beispielsweise Deutschen Doggen, Bernhardinern, Mastiffs oder Irish Wolfhounds). Zwerghunde leiden etwa unter Geburtsschwierigkeiten, Sterilitäten, Gebissanomalien, Feingliedrigkeiten etc. Weitere charakteristische Merkmale sind unter anderem eine Neigung zu Wasserköpfen (Zuchtziel "Apfelkopf") und Bandscheibenvorfällen bis hin zu Lähmungserscheinungen (der sog. Dackellähme) sowie einer papierdünnen, stellenweise offenen und das Gehirn nur unvollständig schützenden Schädeldecke. Die Folge davon sind Wesensveränderungen wie Desinteresse und Verblödung sowie die Tendenz zu krampfartigen Anfällen. Erreicht werden die insbesondere für enge Stadtwohnungen als besonders pflegeleicht angepriesenen Zwergformen, indem man die kleinsten Hunde (beispielsweise Zwergpinscher) immer wieder miteinander verpaart. Auf diese – durch Totgeburten und frühes Welpensterben zu hohen Verlusten führende - Weise wurde unter anderem der Chihuahua geschaffen, der mit einer Schulterhöhe von rund zwanzig Zentimetern und einem Gewicht von lediglich etwa 750 Gramm als der kleinste Hund der Welt gilt. Riesenhunde leiden dafür unter teilweise erheblichen Gelenk- und Skelettschäden sowie verschiedenen weiteren Krankheitsdispositionen. Ausserdem führt die sog. Gigantomanie zu einer erheblichen Verkürzung der durchschnittlichen Lebensdauer.
Die Zuchtziele richten sich aber nicht nur nach der Grösse der Tiere; Beispiele für weitere Abnormitäten sind Shar-Peis mit ihrer zu chronischen Entzündungen führenden extremen Hautfaltenbildung. Bei Welpen sind die Falten teilweise derart stark zu Hautwülsten ausgebildet, dass die Tiere ihre Augen nicht mehr öffnen können und man die Haut am Kopf festnähen oder ganze Hautfalten heraus schneiden muss. Ähnliche Zuchtziele wie sog. Pendelohren und herunterhängende Augenlider bei Bluthunden, Bassetts etc. führen unter anderem zu Gehörgangsentzündungen, vermehrtem Milben-, Bakterien- und Pilzbefall bzw. zu chronischen Bindehautentzündungen. Sehr problematisch ist auch die Zucht von weitgehend zahnlosen Nackthunden mit hoher Welpensterblichkeit, die der Kälte ebenso schutzlos ausgeliefert sind wie der Hitze und starker Sonneneinstrahlung. Hunde mit zuchtbedingter Überbehaarung (gelockte Pudel, langhaarige Bobtails oder die völlig zotteligen und verfilzten Pulis) leiden dafür vor allem bei warmer Witterung erheblich, während sog. kurzköpfigen Boxern, Möpsen, Pekinesen etc. Atemnot, Glotzäugigkeit und weitere zuchtbedingte Beschwerden zu schaffen machen. Enorm verkürzte Unter- und Oberkiefer sowie ein komprimiertes Nasenbein verursachen häufig Nasenknorpel- und Gaumenmissbildungen, die zu Schluck- und Atembeschwerden führen (Englische Bulldoggen haben als eigentliche "Schnaufmaschinen" zweifelhafte Berühmheit erlangt). Eine weitere Zuchtfolge stellt das sog. Hechtgebiss dar, womit ein mangelhafter oder ausbleibender Zahnschluss bezeichnet wird (viele Boxerhündinnen können daher nicht einmal mehr die Fruchthüllen ihrer Welpen aufbeissen und sind auf menschliche Hilfe angewiesen, damit die Jungtiere bei der Geburt nicht ersticken). Der breite, runde und gewölbte Schädel kurznasiger Tiere führt ausserdem oft zu Schwergeburten, einer besonderen Anfälligkeit für Schädeltumore und einer Neigung zum Wasserkopf. Auch Doggen und andere Hunde verfügen zuchtbedingt über teilweise derart massige Schädel, dass ein normaler Geburtsvorgang nicht möglich ist.
Die Liste tierschutzwidriger Zuchtziele bei Hunden liesse sich durch unzählige weitere und bei vielen Rassen sogar in kombinierter Form auftretende Krankheitsdispositionen und Zuchtdefekte beliebig erweitern. Zu denken ist etwa an Ellbogen- und Hüftgelenkdysplasien, die vor allem bei schweren Hunderassen stark verbreitet sind. Ein Musterbeispiel für das Auftreten dieser angeborenen, zu frühzeitigen Verschleisserscheinungen und schmerzhaften Gelenkerkrankungen führenden Missbildungen stellt der Schäferhund dar. Während man früher Tiere mit gerader Rückenlinie und steil gestellten Hinterläufen züchtete, ist das erklärte Ziel heute eine abfallende Rückenlinie mit starker Winkelung der Hinterbeine, was zu einer unnatürlichen Falschbelastung der Gelenke führt. Verbreitet ist aber beispielsweise auch der sog. Merle-Faktor, mit dem bei vielen getigerten oder gesprenkelten Hunderassen gearbeitet wird. Bewirkt werden damit auffällige Augenfarben, eine Aufhellung der Pigmente und eine Fellsprenkelung, jedoch oft auch Störungen des Seh- und Hörvermögens sowie Potenzprobleme. Wird der Faktor von beiden Elternteilen vererbt, haben die Welpen aufgrund des gänzlichen Fehlens der Farbpigmente ein weisses Fell. Das Verwenden des Merle-Faktors hat eine hohe Welpensterblichkeit zur Folge; viele sog. Weisslinge leiden ausserdem unter Fruchtbarkeits- und Gleichgewichtsstörungen sowie verschiedenen Augen- und Gehörmissbildungen bis hin zur völligen Taubheit.
Insgesamt hat die Zahl der beim Hund bekannten Erbkrankheiten seit 1928 von fünf auf gegen 400 zugenommen. Bei bestimmten Rassen (wie beispielsweise Pudel, Deutschem Schäferhund und Spaniel) treten weit über dreissig erbbedingte Krankheitsdispositionen kombiniert auf.