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Auf übermässige Aggressivität gezüchtete Tiere

Züchter nehmen nicht nur auf äussere Erscheinungsformen von Heimtieren Einfluss, sondern auch auf deren Verhaltens- und Wesensmerkmale. So wird beispielsweise bei verschiedenen Kleinhunderassen extreme Anhänglichkeit angestrebt, was nicht selten zu einer pathologischen Abhängigkeit vom Menschen führt, sodass beispielsweise Zwergpudel, Chihuahuas oder Pekinesen häufig neurotische Störungen und vegetative Reaktionen (wie grosse Unruhe, Zittern, Speicheln und Erbrechen) zeigen, wenn man sie alleine lässt.

Besonders bedenklich ist auch das Züchten und Abrichten übermässig angriffiger Hunde, das in den letzten Jahren nicht nur unter tierschützerischen, sondern auch unter soziologischen Gesichtspunkten zu einem Problem geworden ist. Die gemeinhin als "Kampfhunde" bezeichneten Tiere werden als eigentliche Waffen gehalten oder in illegalen Hundekämpfen eingesetzt. Reisserische Artikel der Boulevardpresse über "Kampfhunde" haben die Öffentlichkeit verunsichert und zu einem allgemeinen Ansteigen der Hundefeindlichkeit geführt, die im Sommer 2000 insbesondere in Deutschland das Ausmass einer eigentlichen Massenhysterie erreichte. Der häufig verwendete Terminus sollte jedoch vermieden werden, da es den "Kampfhund" als solchen nicht gibt. Die Bezeichnung ist vielmehr historischer Natur und geht auf in der Antike gehaltene grosse Hunde zurück, die gelegentlich in Schlachten mitgeführt wurden, um die Kriegsleute zu unterstützen. Als Waffen wurden die Tiere hierbei jedoch nicht verwendet; sie hatten lediglich die Aufgabe, durch ihren Anblick beim Gegner Furcht auszulösen. Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff dann auch - vor allem in England - für in Hundekämpfen eingesetzte Tiere benutzt (die Hunde waren derart konditioniert, dass sie Artgenossen gegenüber aggressiv, dem Menschen gegenüber jedoch gehorsam und zutraulich waren). Bestimmte Rassen eigneten sich für diese Ziele zwar stets mehr als andere, der Begriff "Kampfhund" war aber immer mit einer bestimmten Zweckbestimmung für spezielle Hunde verbunden. Als Grundbezeichnung für besondere moderne Hunderassen ist er hingegen falsch und unangebracht - wenngleich er für eine bestimmte Klientel mit einer Aufwertung der Tiere verbunden ist, bedeutet er für die Hunde selbst eine Diffamierung.

Mit dem Schlagwort "Kampfhund" in Verbindung gebracht werden in der Regel bestimmte Respekt einflössende Rassen (namentlich Rottweiler, Dobermänner, Mastiffs oder verschiedene Doggen- und Terrierarten), die im Zusammenhang mit aggressiven Auseinandersetzungen häufig Erwähnung finden. Wissenschaftlich ist eine derart pauschale Qualifizierung jedoch nicht haltbar, da grundsätzlich jeder Hund bei der Begegnung mit Menschen oder Artgenossen feindselig reagieren und ungehemmt beissen kann - und zwar ganz unabhängig von seiner Rassenzugehörigkeit. Für das individuelle Hundeverhalten ausschlaggebend ist vielmehr der kombinierte Einfluss genetischer Disposition mit bestimmten, in die ersten Lebensphasen zurück reichenden Umwelterfahrungen. Die Gefährlichkeit eines Hundes ist insbesondere von belebten und unbelebten Umweltreizen abhängig. Hierbei ist vor allem die Dauer zwischen der dritten und etwa zwanzigsten Woche im Leben der Welpen bedeutend, da die Tiere in dieser Zeit besonders viel und einprägsam lernen. Die konstitutionellen Verhaltensbereitschaften unterscheiden sich ausserdem auch innerhalb einer Rasse deutlich. So sind Pitbull-Terrier oder Dogo Argentinos in vielen Fällen weit sanftere und harmlosere Begleiter als mancher Mischling. Entscheidend für die spätere Aggressionsbereitschaft oder die friedliche Duldsamkeit von Hunden ist somit nicht die Rassezugehörigkeit, sondern ob sie in ihren ersten Lebenswochen und -monaten ausreichend die Gelegenheit hatten, zum Menschen als zuverlässigem Partner Vertrauen zu fassen, oder ob ihnen beigebracht wurde, dass man sich gegen menschliche Zugriffe zur Wehr setzen muss, um selber zu überleben. Diverse Untersuchungen belegen im Übrigen, dass in der Praxis die meisten Zwischenfälle mit aggressiven Hunden auf Mischlinge und Schäferhunde zurückzuführen sind, während vermeintliche Kampfhunderassen in der Unfallstatistik nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Im Aggressionsgebaren bestehen zwar durchaus gewisse rassegebundene Unterschiede; verhaltensgestörte Tiere ohne gesellschaftliche Verträglichkeit werden jedoch primär durch eine gezielte Verzüchtung und soziale Fehlentwicklung in der Welpenaufzucht geschaffen. Erst durch die Hand des Menschen werden junge Hunde zu friedfertigen, treuen Begleitern, wobei die gesellschaftliche Umgänglichkeit eine unerlässliche Voraussetzung für sog. Meutetiere (zu denen Hunde gehören) darstellt, um im Verband zu überleben. Genau wie Wölfe verhalten sich Hunde ihresgleichen gegenüber normalerweise sozial und tolerant (aggressives Verhalten ist allein der Nahrungsbeschaffung und Selbstverteidigung vorbehalten). Die Zucht von Hundestämmen mit gesteigerter Aggressivität und Reizbarkeit kommt hingegen einer Schaffung von eigentlichen Psychopathen gleich. Auf diese Weise wurden bei bestimmten Zuchtlinien abnorme Wesensmerkmale erreicht - generell gefährliche Hunderassen gibt es aber nicht. So bestehen Zuchtlinien bestimmter Hunderassen (beispielsweise bei Bullterriern), bei denen genetisch determinierte Verhaltenstörungen nachgewiesen sind. Diese Abnormitäten sind jedoch gerade durch eine fehl gelenkte, unbiologische Zuchtauswahl in Form von Qualzuchten verursacht und nicht repräsentativ für die ganze Rasse.

Die Leidtragenden der auf übermässige Aggressivität abzielenden Zucht sind in erster Linie die Tiere selbst. Die gängigen Praktiken, womit sie zu übersteigerter Kampfbereitschaft gedrillt (sog. scharf gemacht) werden, sind überaus grausam. Durch eine verfrühte Trennung von Mutter und Geschwistern sowie eine strikt isolierte Haltung in oftmals engen und dunkeln Zwingern oder Boxen werden die Welpen daran gehindert, sich auf positive Art mit ihrer Umwelt vertraut zu machen. Ausserdem werden den Hunden bewusst Schmerzen (unter anderem durch Schläge, Stromstösse oder das Ausdrücken brennender Zigaretten auf ihrem Körper) zugefügt. Dies hat zur Folge, dass die Tiere einen ausgeprägten Racheinstinkt entwickeln, ihre natürliche Beisshemmung verlieren und sich schliesslich gegen jede Annäherung zur Wehr setzen (was belohnt und gefördert wird, indem sich die menschlichen Bedroher zurückziehen). Üblicherweise werden den Tieren auch von klein auf Antibiotika verabreicht und Methoden wie Nahrungs- und Flüssigkeitsentzug, das Aufhängen der Tiere an Fellstücken oder Säcken mit Drahtseilwinden zur Stärkung der Beissmuskulatur oder das Training auf Laufbändern und mit lebenden Ködern (in der Regel Katzen, Kaninchen oder anderen Hunden, jedoch auch mit Wildschweinen oder Rindern) angewandt. Als Folge dieser quälerischen Erziehungsmethoden zeigen die Hunde weit reichende Veränderungen in ihrem Sozialverhalten. Infolge der Aggressivität der deckungsbereiten Hündinnen ist eine natürliche Paarung nicht möglich (sodass künstliche Besamungen vorgenommen werden müssen) und die Mutter-Welpen-Beziehung erheblich gestört. Viele Muttertiere reagieren auf Angst- und Schmerzäusserungen ihrer Jungen angriffig und müssen daher ständig einen Maulkorb tragen. Auch die Welpen weisen bereits beim Spiel ein unverhältnismässig hohes Aggressionspotenzial auf und müssen häufig getrennt werden, damit sie sich gegenseitig keinen Schaden zufügen.

Insgesamt widerfährt den Hunden beträchtlicher Schaden; sie leiden, weil sie vom Menschen ohne vernünftigen Grund zu einer Umweltgefährdung gemacht werden. Aufgrund ihrer Unberechenbarkeit sind die neurotischen Tiere nur unter freiheitsbeschränkenden Zwangsmassnahmen zu halten und häufig nicht mehr zu resozialisieren. Den Tieren bleibt ein artgerechtes Leben verwehrt, da sie weder von der Leine gelassen werden noch mit anderen Hunden spielen können. Aus den Beissereien und der aufgrund ihrer ausgeprägten Aggressivität notwendigen isolierten Haltung resultieren zudem häufig Schmerzen, Leiden und Schäden. Nicht selten ist sogar der Tod die Folge derartiger Defektzuchten, da letztlich niemand mit den Hunden umgehen kann und deren teilweise genetisch bedingte Kampfbereitschaft kaum mehr therapierbar ist. Auch als Schutz- oder Wachhunde sind die Tiere nicht geeignet. Der Unterschied zu artgerecht aufgezogenen und korrekt ausgebildeten Schutzhunden (die beispielsweise im Polizeidienst eingesetzt werden) besteht darin, dass bei diesen ein grundsätzliches Vertrauen zur Umwelt und zum Menschen vorhanden ist und ihre Einstellung gegenüber anderen Lebewesen daher eine friedliche und tolerante ist. Schutzhunde haben eine tragfähige Bindung an den Menschen, sind lenk- und kontrollierbar und zeigen ein aggressives Verhalten nur in ganz bestimmten Situationen bzw. auf Befehl ihrer Bezugsperson hin; eine Gefahr für Aussenstehende bilden sie daher nicht.

Neben Hunden werden im Übrigen auch andere Tiere auf unverhältnismässige Aggressivität gezüchtet, so beispielsweise sog. "Kampfhühner" mit zusätzlichen Zehen und Sporen, die sich in engen Ställen zu Kannibalen entwickeln und diverse Zuchtdefekte aufweisen (für den Kampf wird den Tieren ausserdem häufig der Sporn mit einer Rasierklinge geschärft). Zu erwähnen ist letztlich auch die Zucht von "Kampffischen" (sog. Bettas) sowie natürlich an die Methoden, womit Bullen auf Stierkämpfe vorbereitet werden.


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