Ebenfalls zu beobachten ist eine Vielzahl die Würde der Tiere verletzender Vermenschlichungen und Infantilisierungen. Den Tieren wird spätestens dann ein artgemässes Dasein verwehrt, wenn die domestikative Extremform eines spezifisch menschlichen Lebens schematisch auf ihre Welt übertragen wird. Zu denken ist in diesem Zusammenhang beispielsweise an die Tendenz, Hunde in Kleider zu stecken und mit Schmuck zu behängen. Übersteigerte Tierliebe wird bisweilen sogar pathologisch, artet in Quälerei aus und hat verwahrloste Tiere zur Folge. Häufig werden entsprechende Missstände durch alte (selber ärztliche Behandlung benötigende) Menschen verursacht, die mehr und mehr Tiere um sich scharen, ohne in der Lage zu sein, diese artgerecht zu betreuen.
Nicht unerwähnt bleiben soll in diesem Zusammenhang letztlich auch die enorme Anzahl für sexuelle Motive missbrauchter Heimtiere. Aufgrund enormer Dunkelziffern ist die sowohl gesellschaftlich als auch rechtlich weitgehend tabuisierte Zoophilie viel verbreiteter als gemeinhin angenommen wird. Über ihr tatsächliches Ausmass kann zwar nur spekuliert werden. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen sollen aber mindestens 8 Prozent der Männer und über 3 Prozent der Frauen zumindest schon einmal geschlechtlichen Umgang mit Tieren gehabt haben, wobei sich die Zahl in ländlichen Gegenden auf 17 Prozent erhöht und der Hund in der entsprechenden Beliebheitsskala an erster Stelle steht.
Nicht selten ist die Heimtierhaltung auch durch narzisstische und exhibitionistische Aspekte charakterisiert. So stehen für viele Besitzer weit mehr eigene Interessen sowie der Stammbaum der Tiere statt deren Gesundheit und natürliche Bedürfnisse im Vordergrund, was sich insbesondere in den Auswüchsen der modernen Heimtierzucht widerspiegelt. Zahlreichen Pets kommt in erster Linie die Funktion zu, Wohlstand zu repräsentieren und als Mode- oder Dekorationsobjekte zu dienen. Sie werden oftmals nicht um ihrer selbst, ihrer Würde, Anmut oder Treue willen angeschafft, sondern vielmehr weil sie gerade Mode sind. In diesem Lichte ist vor allem auch die zunehmende Beliebtheit exotischer Heimtiere zu betrachten, die häufig aus reinen Prestigegründen und pseudowissenschaftlichem Ehrgeiz gehalten werden, wobei die Devise "je ausgefallener, gefährlicher und giftiger, desto besser" zu lauten scheint. Selbst wenn der Hang, Exoten aus Prestigegründen zu halten, keine Erfindung der Moderne ist - vielmehr galt der Besitz exotischer Tiere bereits in früheren Zeiten als Macht- und Herrschaftssymbol und wurde gezielt als Zeichen der Weltläufigkeit eingesetzt (als Beispiele seien Tierkämpfe im Römischen Reich oder Tierparks und Menagerien mittelalterlicher Fürstenhäuser genannt) - wird in der zunehmenden Tendenz, Reptilien wie Schlangen oder Krokodile in Wohn- und Badezimmern zu beherbergen, das Ausmass der gestörten psycho-sozialen Komponente der modernen Tierhaltung deutlich. Die mangelnde Kenntnis (und die Gleichgültigkeit) vieler Besitzer bezüglich der anspruchsvollen Pflege und Betreuung tritt hier noch klarer zutage als bei der Haltung traditioneller Heimtiere, so etwa im Umstand, dass sich Käfige, Terrarien und Aquarien häufig nicht an den Ansprüchen der Tiere, sondern vielmehr am Design des übrigen Mobiliars orientieren.
Der wahre Stellenwert vieler Exoten zeigt sich letztlich auch in der Tatsache, dass die von ihnen ausgehende Faszination oft schon bald wieder endet und "aus der Mode gekommene" Exemplare nicht mehr versorgt bzw. ins Tierheim abgeschoben oder sogar in die freie Natur ausgesetzt werden - ein Schicksal, das im Übrigen auch unzählige herkömmliche Heimtiere teilen, was die regelmässig wiederkehrende Aussetzungswelle zu Beginn der Ferienzeit hinreichend belegt. Gesamthaft werden jährlich Hunderttausende von Heimtieren auf diese Weise Opfer ihrer leichten Ersetzbarkeit und der Wegwerfmentalität einer Gesellschaft, die lebende Wesen mit eigentlichen Verbrauchsartikeln gleichzusetzen scheint. Allein in Deutschland werden jährlich rund 180'000 Hunde und an die 400'000 Katzen an Autobahnraststätten, am Waldrand etc. ausgesetzt. Eine beinahe unfassbare Entwicklung ist in diesem Zusammenhang seit Ende der neunziger Jahre in den USA zu beobachten, wo das Aussetzen von Hunden "Dogdumping" genannt wird. Um das Problem unerwünschter Heimtiere zu lösen, wurden in verschiedenen Bundesstaaten eigentliche "Müllcontainer" installiert, worin "large dogs", "small dogs" sowie "puppies and kittens" über verschiedene Klappen anonym entsorgt werden können. Die Behälter werden in der Regel täglich geleert und die Tiere euthanasiert, sofern sich nicht innert weniger Tage ein neuer Besitzer findet. Pro Bundesstaat entledigt man sich auf diese Weise jährlich über 7000 Tiere. Häufig stellt die "Entsorgung" nicht mehr erwünschter Tiere zudem auch die absehbare Folge einer unbedachten Anschaffung dar. Zu denken ist hierbei insbesondere an unüberlegte und nicht selten auf das Drängen von Kindern getätigte Spontankäufe, Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke. Oftmals hält die Freude darüber nur kurz an, da die Tiere alsbald zu gross, zu hungrig oder generell zu lästig werden. Insbesondere verspielte Jungtiere vermögen kurzfristig die Herzen der Menschen zu erobern, bevor ihre Faszination dann wieder erlischt, wenn sie grösser werden und sich das unwiderstehliche Kindchenschema ihres Erscheinungsbildes verändert. Hiervon abgesehen eignen sich ohnehin nur die wenigsten Heimtiere für Kleinkinder, von denen sie in der Regel als Spielzeug betrachtet und entsprechend behandelt werden. Während Hunde bestimmter Rassen noch zuverlässige "Babysitter" und robuste Spielkameraden darstellen können, ist es beispielsweise unverantwortlich, unbeaufsichtigten Kleinkindern fragile Jungkätzchen oder Zwergkaninchen anzuvertrauen.
Das Aussetzen unerwünschter Heimtiere ist nicht nur verantwortungslos, sondern verursacht überdies eine Reihe gravierender Folgeprobleme. Einerseits droht den an ihre Umgebung und eine regelmässige Versorgung gewöhnten Tieren der Tod durch Hunger und ungewohnte Witterungseinflüsse (insbesondere für exotische Tiere bedeutet das Aussetzen in den kalten Wintermonaten fast immer den Tod), anderseits verwildern sie rasch und es besteht – insbesondere bei Katzen - die Gefahr einer unkontrollierten Vermehrung. Allein in der Schweiz werden jährlich Zehntausende unerwünschter Katzen teilweise nach alter Tradition erschlagen oder manchmal sogar ertränkt. Bedenkt man, dass ein Katzenpaar jährlich im Durchschnitt fast drei Jungtiere zeugt, kann es in zehn Jahren - zumindest theoretisch - eine Nachkommenschaft von bis zu achtzig Millionen Tieren haben, wobei die meisten unbetreuten, der Verwilderung überlassenen Jungtiere schon bald qualvoll verenden. Um das unkontrollierte Anwachsen der frei lebenden Katzenpopulation und die damit verbundene Verelendung der Tiere zu verhindern, bietet sich als einziges probates Mittel die konsequente und frühzeitige Kastration an.
In vielen Ländern existieren eigentliche Streunerprobleme; allein in Grossbritannien sollen beispielsweise von den sieben Millionen Hunden rund 500'000 streunend umherlaufen und beträchtliche Schäden verursachen, wobei viele Tiere verhungern, an Krankheiten sterben oder eingefangen und getötet werden. In Deutschland liegt die jährliche Abschussrate von streunenden Hunden und Katzen bei rund 35'000 und 250'000, und auch in den USA werden jährlich über 6,5 Millionen gesunde Hunde und eine ähnlich hohe Zahl von Katzen getötet, weil sie nicht mehr erwünscht und vermittelbar sind. Über 30 Prozent der amerikanischen Hunde beschliessen ihr Leben im Tierheim, wo nach einer Woche die Euthanasie angeordnet wird.
Bedienung
Ausführlichkeit
Qualitätsanspruch
Radikal für die Tiere
Wertschätzung
Lustfaktor
Nicht bewertet