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>> Tierschutz / Einzelne Problembereiche / Heimtiere / Haltung / Tierschutzrelevanz

Allgemeines

Solange ihren natürlichen Bedürfnissen gebührend Rechnung getragen wird, ist an der Haltung von Heimtieren nichts auszusetzen. In der Überzeugung, dass sich die Tiere bei ihnen wohl fühlen, tun sich jedoch die meisten Heimtierhalter mit Kritik schwer, was eine objektive Auseinandersetzung in der Regel schwierig macht. Um das Wohlbefinden von Pets wirklich zu garantieren, sind etliche Voraussetzungen zu beachten, wobei jede Tierart andere Ansprüche an Halter und Umgebung stellt. Für alle Arten ist jedoch zu fordern, dass sie ihre wesentlichen Verhaltensweisen möglichst uneingeschränkt äussern und ihre Bedürfnisse an Nahrung, Licht, Lebensraum und Sozialverhalten befriedigen können.

Grundsätzlich hat dem Erwerb die sorgfältige Information über artspezifische Lebensgewohnheiten, Haltungs- und Pflegeansprüche vorauszugehen und Gewissheit zu bestehen, dass neben persönlichem Interesse und ausreichendem Platzangebot auch langfristig - in der Regel über viele Jahre - die nötigen finanziellen Mittel bzw. die Zeit für die tägliche Fütterung, Reinigung und Beschäftigung der Tiere aufgebracht (sowie deren Unterbringung in den Ferien oder Notsituationen sichergestellt) werden können. Einer tierschützerischen Faustregel zufolge sollten beispielsweise Hunde pro Tag mindestens zwei Stunden ausgeführt werden. Nicht nur Hunde und Katzen haben jedoch ein ausgeprägtes Bewegungsbedürfnis, sondern auch viele weitere Heimtierarten wie etwa Goldhamster, Meerschweinchen oder Zierfische.

Der Entschluss zur Anschaffung eines Heimtiers sollte überdies vom Bewusstsein getragen sein, dass die Haltung auch unerwünschte Nebeneffekte haben kann. Neben Tierhaaren, -geruch und beschädigtem Mobiliar ist in diesem Zusammenhang insbesondere an allfällige zwischenmenschliche Konflikte, wie mietrechtliche und nachbarliche (Geruchs- und Lärmimmissionen) Streitigkeiten zu denken. Als weitere Problembereiche kommen aber beispielsweise auch Wildschäden (so werden beispielsweise in der Schweiz jährlich rund tausend Rehe von wildernden Hunden gerissen), die Gefährdung des privaten und öffentlichen Verkehrs, die Verschmutzung von Trottoirs, öffentlichen Anlagen und landwirtschaftlichen Kulturen in Betracht. Allein in den Strassen und Pärken New Yorks setzen Hunde täglich 50 Tonnen Exkremente und 10'000 Liter Urin ab; in allen US-amerikanischen Grossstädten zusammen sind es gar 350 Tonnen Kot und 36 Milliarden Liter Urin. In Paris, wo laut Umfragen 94 Prozent der Bevölkerung die Verschmutzung öffentlichen Raums mit Hundekot als "grösste Plage" und noch schlimmer als Luftverschmutzung, Verkehrschaos und Autolärm bezeichnen, glitten 1998 650 Personen derart unglücklich auf den Fäkalien aus, dass sie sich Knochenbrüche zuzogen. Anzumerken ist, dass es sich hierbei aber weniger um ein Problem der Tierhaltung an sich als vielmehr um eine Erziehungsfrage und mangelnden Sachverstand der Tierhalter handelt.

Als mit der Heimtierhaltung verbundenes Risiko wird mitunter auch die Übertragung von Krankheiten auf den Menschen (sog. Zooanthroponosen oder Zoonosen) genannt, wobei deren Bedeutung - von wenigen Ausnahmen abgesehen - allgemein überschätzt wird. So etwa ist eine Ansteckung mit durch Katzenkot übertragenen Toxoplasmose-Erregern in der Regel unbedenklich und wird von infizierten Menschen kaum bemerkt (eine ernstliche Gefahr stellt die Toxoplasmose lediglich für schwangere Frauen dar, bei denen die Möglichkeit einer Schädigung des Kindes besteht). Dem Menschen ernsthaft gefährlich werden kann einzig der Hundebandwurm, der durch Kontakt mit Hundekot und die orale Aufnahme der Bandwurmglieder oder -eier übertragen wird, wobei entsprechende menschliche Erkrankungen in Westeuropa relativ selten sind. Allfällige Übertragungsrisiken für den Menschen gehen ausserdem auch von illegal erworbenen Tieren aus, so beispielsweise bezüglich Salmonelleninfektionen von Schildkröten oder der Ornithose von Papageien.

Letztlich birgt der zunehmende Einsatz von Tieren zu therapeutischen Zwecken die Gefahr einer neuen Form ihrer gegen die Tierwürde verstossenden Instrumentalisierung und Ausbeutung. Die Beziehung zu einem Tier ist viel zu komplex, als dass man dieses einfach als "therapeutisches Mittel" einsetzen könnte; nur ein partnerschaftliches und in diesem Sinne wechselseitiges Verhältnis zwischen Mensch und Tier kann wirklich einen beidseitigen Gewinn darstellen. Je mehr die Bedürfnisse eines Tiers berücksichtigt werden, desto eher kann dieses seinerseits die Wünsche des Menschen befriedigen.


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