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Haltungsfehler

Heimtierhalter lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: Zum einen gibt es eine eher kleine Gruppe von Liebhabern, die sich durch ausgezeichnete Kenntnisse über die unter ihrer Obhut stehenden Tiere und deren Bedürfnisse auszeichnen. Diese Sachkunde bezieht sich beispielsweise auch auf die Nachzucht und Behandlungsmöglichkeiten, sodass auch in der Haltung schwierig zu pflegender und selten nachgezüchteter Arten bemerkenswerte sowie aus wissenschaftlicher Sicht durchaus wertvolle Erfolge erzielt werden. Der weit grössere Teil der Heimtierhalter lässt sich hingegen oftmals spontan zum Kauf eines Tiers motivieren, ist bezüglich Haltung und Pflege schlecht vorbereitet und daher auf die - häufig dürftigen - Instruktionen des Verkaufspersonals angewiesen. Als Folge davon leben viele Heimtiere unter aus tierschützerischer Sicht inakzeptablen Bedingungen, wobei häufig nicht einmal die elementarsten Anforderungen an ihre Betreuung und Pflege erfüllt werden.

Bedeutend ist in diesem Zusammenhang, dass eine tierschutzrelevante Haltung nicht erst beim Zufügen physischer Schmerzen, sondern bereits bei der Missachtung der artspezifischen Grundbedürfnisse beginnt. Eine ganze Reihe beliebter Arten (beispielsweise Hamster, Chinchillas, Meerschweinchen, Zwergkaninchen, Frettchen, Schildkröten und Papageien) eignet sich grundsätzlich nicht für die herkömmliche Privathaltung. So ist etwa die Pflege von Schmuckschildkröten derart anspruchsvoll (etwa bezüglich Wasserqualität, -temperatur oder UV-Bestrahlung), dass bereits im ersten Jahr der Haltung über 90 Prozent der Tiere infolge unsachgemässer Betreuung sterben (dies, nachdem die Verlustraten bereits bei der Einfuhr sehr hoch sind). Viele Missstände in der Heimtierhaltung bleiben jedoch verborgen, da Kontrollen in der Regel erst bei Verdachtsmomenten durchgeführt werden bzw. möglich sind. Allein in Deutschland wird die Dunkelziffer jener Heimtiere, die sterben, ohne je von einem Tierarzt gesehen worden zu sein, auf jährlich Hunderttausende geschätzt.

Die meisten Haltungsfehler sind auf die fehlende Sachkunde und Sensibilität für die artspezifischen Bedürfnisse zurückzuführen, wobei vielen Besitzern das entsprechende Verständnis gänzlich fehlt und sie die Ansprüche der Tiere aus einer zu stark auf den Menschen bezogenen Sicht beurteilen. Exemplarisch sei hierzu auf die Haltung von Zierfischen verwiesen, die oftmals unüberlegt angeschafft, wahllos miteinander vergesellschaftet und beliebig in Aquarien und Gartenteiche eingesetzt werden. Je weiter sich der moderne Mensch durch die zunehmende Urbanisierung vom einst selbstverständlichen Umgang mit der Natur entfremdet, desto mehr verliert er auch das Empfinden dafür, was Tiere für ihr Wohlbefinden benötigen und wo die Grenze zur Tiermisshandlung erreicht ist. Als weiteres Beispiel hierfür sei die Haltung der insbesondere bei Kindern beliebten - jedoch charakteristisch nachtaktiven - Goldhamster angeführt.
Verständlicherweise wollen Kinder auch tagsüber mit den verschlafenen Tieren spielen, wobei der Versuch, sie an den tagesorientierten Rhythmus zu gewöhnen, eine Quälerei darstellt. Im Gegensatz zum Leben vergleichsweise "freier" Hunde und Katzen ist jenes von sog. Stubentieren (d.h. in Käfigen, Volieren, Terrarien und Aquarien gehaltenen Ziervögeln, Kleinnagern, Reptilien und Fischen) durch eine völlige Abhängigkeit vom Menschen und dessen Zuwendung gekennzeichnet. Hinzu kommt, dass den meisten Heimtieren die mimischen oder stimmlichen Mittel fehlen, um ihren Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. Um das Wohlbefinden der Tiere richtig zu beurteilen, müssen daher andere Kriterien wie Bewegungsfreude, Futteraufnahme, Hautfärbung, Körperhaltung, Darmausscheidung etc. herangezogen werden, was viel Erfahrung erfordert. Unzählige in zu kleinen, falsch konzipierten oder strukturlosen Behausungen ohne jeden Umweltreiz dahinvegetierende Stubentiere leiden stumm unter unzureichenden Haltungsbedingungen (so beispielsweise bei der klassischen - jedoch alles andere als tiergerechten - Haltung von Zierfischen in kugelförmigen Aquarien oder von Vögeln in Rundkäfigen). Nicht wenige Heimtiere führen gar einen langen Überlebenskampf, ohne dass dies von ihren Besitzern zur Kenntnis genommen würde. So gilt beispielsweise bei Reptilien eine fehlerhafte Haltung als häufigste Todesursache und es befinden sich viele Tiere in fortgeschrittenen Krankheitsstadien, ohne dass ihre Halter dies bemerken. Mit Ausnahme von Hunden und Katzen, denen in Privathaltung - insbesondere mangels Unfallgefahr und infolge der besseren medizinischen Versorgung - eine deutlich höhere Lebenserwartung beschieden ist, erreichen die meisten Heimtiere in Gefangenschaft nicht annähernd das Alter wie in freier Natur. So beispielsweise könnten wild lebende Wellensittiche über zwanzig, Grosspapageien über siebzig und Schildkröten sogar bis zu zweihundert Jahre alt werden. Wie bei Hunden und Katzen, die nicht selten den ganzen Tag über allein gelassen werden, handelt es sich ausserdem namentlich bei Vögeln (so etwa bei Papageien, Sittichen oder Kanarienvögeln) in der Regel um sehr gesellige Tiere, die natürlicherweise in kleineren oder grösseren Verbänden zusammenleben. Davon abgesehen, dass ihnen die Möglichkeit zum freien Fliegen verwehrt wird, kann die Einzelhaltung derart sozialer Tiere selbst bei viel Zuwendung nicht als tiergerecht bezeichnet werden, da der Mensch kein Ersatz für fehlende Artgenossen sein kann. Der gelegentlich unternommene Versuch, fehlende Artgenossen durch Plastikattrappen oder Spiegel zu ersetzen, mutet daher beinahe schon zynisch und despektierlich an. Ebenso gegen tierschützerische Grundprinzipien verstösst, überwiegend oder ständig solitär lebende Tiere, wie etwa Hamster oder Hörnchen, zwangsweise zu vergesellschaften. Vögeln, die in ihren Käfigen nicht richtig fliegen können, sollte aus tierschützerischen Erwägungen täglich während mehrerer Stunden kontrollierter Freiflug im Zimmer gewährt werden, wobei vorgängig natürlich die vielen Gefahrenquellen des Haushalts (giftige Zimmerpflanzen, heisse Herdplatten etc.) ausgeschaltet werden müssen. Als Folgen des Alleinseins, der Beschäftigungslosigkeit und anderer Haltungsfehler können bei den geistig oft regsamen Tieren verschiedenste Erkrankungen oder Verhaltensstörungen (sog. Käfigneurosen) wie Apathien, Bewegungsstereotypien, Aggressionen oder Selbstverstümmelungen auftreten, die durch falsche - und aussichtslose – Erziehungsversuche zumeist noch verschlimmert werden.

Viele Missstände im Heimtierwesen sind letztlich auch auf eine mangelhafte Beratung und schlechte Haltungsvorbilder im Zoofachhandel zurückzuführen, der lebende Tiere nicht selten anpreist, als wären sie Wegwerfartikel. Für viele Halter wirkt sich die zunehmende Kommerzialisierung bei der Wahl der richtigen Ausstattung ausserdem eher verunsichernd als unterstützend aus. Oft wird nur ungenügend oder sogar falsch über die anspruchsvolle Betreuung und Pflege der Tiere sowie deren artspezifische Merkmale (beispielsweise hinsichtlich ihres allfälligen Wachstums) informiert. Viele Tiere werden im Zoofachhandel in "niedlicher Babyversion", jedoch ohne Hinweis darauf angeboten, dass sie schon bald auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Körpergrösse heranwachsen. So erreichen etwa die jährlich rund fünf Millionen aus amerikanischen Zuchtfarmen nach Europa importierten und beim (Billig-)Kauf lediglich etwa fünffrankenstückgrossen Rotwangenschildkröten in wenigen Jahren eine Panzerlänge von bis zu dreissig Zentimetern und finden in den handelsüblichen Becken kaum mehr genügend Platz zum Schwimmen und Tauchen. Ähnliches gilt für verschiedene Kaninchen- sowie für viele Schlangen- und Echsenarten, namentlich für den vor dem Hintergrund einer allgemeinen Dinosaurierfaszination in den letzten Jahren populär gewordenen Grünen Leguan.

Darüber hinaus werden mitunter sogar gefährliches und tierschutzwidriges Zubehör (wie etwa zu kleine Gehege) und falsche Pflegeanleitungen abgegeben. So sind unter anderem noch immer Rundkäfige für Vögel im Handel, obwohl sie von Tierschutzkreisen seit Jahren vehement kritisiert werden, da sie nicht artgerecht strukturiert werden können, eine räumliche Orientierung der Vögel nahezu verunmöglichen und deren Aktionsradius noch mehr einschränken als eckige Käfige (in Rundkäfigen gehaltene Vögel sind oftmals besonders schreckhaft, weil ihnen ein Fluchtweg zum Rückzug vollkommen fehlt). Ähnlich das Wohlbefinden der Tiere beeinträchtigend oder sogar ihr Leben gefährdend sind Zubehör wie Hamsterkugeln und -röhren aus Plastik, Laufräder aus Speichen oder Aquarien in Säulenform.

Häufig werden die Grenzen der Tierschutzrelevanz im Zoofachhandel auch im Rahmen der Lagerhaltung überschritten, so beispielsweise durch das Zusammenpferchen verschiedener Tierarten, Alters- und Geschlechtergruppen in zu kleinen Käfigen unter permanenter Intensivbeleuchtung oder durch die Schaufensterhaltung besonders stressempfindlicher Tiere bei mangelnder Klimatisierung und Beschattung. Insbesondere in grossen Warenhäusern mit hoher Besucherfrequenz erleiden viele in Zoofachgeschäften angebotene Tiere durch die ständige Unterschreitung der Fluchtdistanz, das Beklopfen der Käfiggitter oder das dauernde Streicheln und Anfassen grosse Qualen.


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