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Die Heimtierhaltung hat eine jahrhundertealte Tradition, erfuhr seit der Mitte des 20. Jahrhunderts jedoch einen tief greifenden Bedeutungswandel. Die kontinuierliche Zunahme und der in unseren Breitengraden generell hohe Stellenwert von Heimtieren lassen sich dabei auf verschiedene Faktoren zurückführen. Während man mit ihrer Haltung früher in der Regel ausschliesslich rationale Absichten verfolgte (der Hund hatte über Haus und Hof zu wachen, die Katze Nager zu fangen und der Käfigvogel den Menschen mit seinem Gesang zu erfreuen), dienen Pets heutzutage oftmals auch der Befriedigung sozialer Bedürfnisse ihrer Besitzer. Neben rein emotionalen Gesichtspunkten, wie der Freude und dem Interesse am Tier, kommen daher auch dem Verlangen nach Sicherheit und Gesellschaft wesentliche Bedeutung zu. Vor dem Hintergrund einer zunehmend technisierten Umwelt wächst der allgemeine Wunsch, durch Kontakte zur Natur und zu Tieren der für unsere Zeit charakteristischen Gefahr einer gefühlsmässigen Vereinsamung zu begegnen. Die durch die Industrialisierung bewirkte starke Veränderung gesellschaftlicher Lebensformen und die damit einhergehende Verstädterung, Auflösung familiärer Strukturen und zunehmende Anonymität des Einzelnen hat trotz - oder gerade wegen - des materiellen Wohlstands zu emotionaler Disbalance und einer steigenden Verarmung zwischenmenschlicher Beziehungen geführt, worunter in der Regel Kinder, Jugendliche und alte Menschen besonders leiden. Namentlich allein stehende und unverstandene Menschen - denen die durch moderne Familienstrukturen bedingte Isolation besonders häufig zu schaffen macht - versuchen durch die Gemeinschaft mit Tieren der Einsamkeit zu entgehen und finden darin jene Aufmerksamkeit und Zuneigung, die sie von ihren Mitmenschen vermissen. Nicht selten füllen die Fürsorge und Verantwortung für ein Tier das eigene Leben mit Sinn und Befriedigung bzw. stellen Heimtiere gar einen Partner- und Liebesersatz dar. Der Umstand, dass Mensch-Tier-Bindungen oftmals weit länger überdauern als zwischenmenschliche Beziehungen, ist hinreichend bekannt.

Zahlreiche Untersuchungen belegen ausserdem, dass Heimtiere nicht nur eine psychologische, sondern auch eine pädagogische Wirkung haben. Ihr positiver Einfluss auf das körperliche und seelische Wohlbefinden ihrer Halter ist wissenschaftlich ebenso nachgewiesen wie etwa der Umstand, dass ihnen für die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern eine erhebliche Bedeutung zukommt. Das Halten und Pflegen eines Heimtiers kann eine wichtige Komponente des Erlernens ethischer und verantwortungsbewusster Handlungsweisen darstellen, da sich Kinder in der liebevollen und begleiteten Begegnung mit Tieren auf spielerische Weise ein soziales Verhalten sowie die Rücksichtnahme auf andersartige Lebewesen, deren Eigenarten und Bedürfnisse aneignen. Im Umgang mit Heimtieren kann sich die grundsätzliche Beziehung des Kindes zum Lebendigen und damit über das Tier zum Mitmenschen entwickeln. Interartliches Verstehen und intuitives Erfassen der Bedürfnisse von Tieren müssen jedoch gelernt werden, worin letztlich eine der grossen Aufgaben der Heimtierhaltung in der Familie liegt.

Heimtiere beschleunigen aber unter anderem auch Genesungsprozesse, trösten über soziale Verluste hinweg, begünstigen den Stressabbau, verhelfen zu psychischer Ausgeglichenheit und fördern die Sozialkompetenz im Umgang mit Menschen. So begünstigt die Heimtierhaltung beispielsweise die Blutwerte, die als Risikofaktoren für Herzkrankheiten gelten, oder forciert die Linderung leichterer Gesundheitsprobleme (von Kopfschmerzen über Verstopfung bis hin zu Grippeerkrankungen). Heimtierhalter konsumieren zudem weniger Medikamente und müssen seltener zum Arzt; auch sinkt bei alten Menschen die Abhängigkeit von Pflegepersonal und Gerätschaften im Vergleich zu Personen ohne Pets. Insgesamt hat sich der Einsatz von Heimtieren mittlerweile in den verschiedensten Anwendungsbereichen bewährt: Ob in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen, Straf- oder Entzugsanstalten bzw. bei der Behandlung körperlich oder geistig behinderter Menschen und verhaltensauffälliger Kinder - überall werden Heimtiere längst routinemässig in therapeutischer Absicht genutzt. Obschon die entsprechende Wirkung von Tieren seit alters bekannt ist (so galten beispielsweise im antiken Ägypten und Griechenland vor allem Hunde als Heil bringend und bestehen aus dem 8. Jahrhundert gesicherte Hinweise für die Verwendung von Hunden bei der Behandlung menschlicher Störungen), nahm der institutionalisierte und zunehmend wissenschaftlich begründete Einsatz von Tieren als Co-Therapeuten erst in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts seinen eigentlichen Beginn. Als Pionier in der Verwendung von Heimtieren als "therapeutische Werkzeuge" gilt der amerikanische Psychoanalytiker Boris M. Levinson. Mittlerweile wird die sog. Pet-Therapie in nahezu jeder denkbaren Variante - sogar mit Hilfe von Lamas, Hängebauchschweinen oder Schlangen - angewandt.


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