Der Artikel "Alles Gute für die Leber" befasst sich mit den Eigenarten von verschiedenen Gänselebern (foie gras), die sich nach ihrer Herkunft teilweise stark in Geschmack und Konsistenz unterscheiden. Dem Leser werden dabei die jeweils günstige Verwendung und Zubereitung der Stopfleber beschrieben, die den kulinarischen Genuss möglichst optimieren soll.
Völlig unterschlagen werden hingegen Informationen über die tierquälerischen Produktionsbedingungen der vermeintlichen Delikatesse. Um die gewünschte grosse und fettige Gänseleber zu erhalten, wird den Tieren mehrmals täglich ein am oberen Ende trichterförmiges Rohr in den Schlund gestossen, durch das man ihnen dann jeweils bis zu einem halben Kilo Futterbrei direkt in den Magen presst. Die Leber wird dadurch so sehr vergrössert, bis sie schliesslich ein Vielfaches einer normalen Gänseleber wiegt. Dass die Tiere mit der Zeit ihr eigenes Körpergewicht kaum mehr tragen können, ist nur eine der schlimmen Folge der intensiven Zwangsmasterei. Die Prozedur mit dem Metallrohr verursacht bei den Tieren zudem schwere Verletzungen an Schnabel und Speiseröhre und die unnatürlich grosse Futtermenge, die den Tieren innert kürzester Zeit eingepresst wird, kann zum Platzen des Magens führen. Nach schweizerischem Recht stellt das Stopfen eine Tierquälerei dar und ist aufgrund von Art. 27 des Tierschutzgesetzes verboten, während der Import leider nach wie vor erlaubt ist.
Unter dem Gesichtspunkt einer objektiven Berichterstattung ist es nicht nur unverständlich, sondern geradezu unverantwortlich, Stopfleber ausschliesslich als kulinarische Delikatesse anzupreisen und die mit grossem Tierleid verbundene Produktion gänzlich auszublenden. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Kenntnis der aus der Sicht des Tierschutzes absolut inakzeptablen Methoden so manchem Feinschmecker den Appetit gehörig verderben würden.